 der es in die
Tiefe ziehen wird -«
    »Und Du allein, mein Sohn, willst der Lotse sein, der solche Kurswendung
erreicht? Dein Ehrgeiz ist hoch.«
    »Ehrgeiz?« - Rudolf machte eine wegwerfende Handbewegung - »Nein, den hab'
ich nicht. Ich weiß ganz gut, dass das, was man unter Ehren und Würden versteht,
nicht auf Pfaden zu holen ist, die man erst aushauen muss -«
    »Und aus welchem Anlass hast Du Dich gerade jetzt zum Handeln entschlossen?«
    »Mein dreissigstes Jahr ist vollendet - die Lehrlingszeit ist vorüber - und
dann, vielleicht auch die gestrige Feier ... Als ich es aussprach, dass wir uns
der Söhne und Enkel würdig zeigen müssen, da mahnte mich das Gewissen, dass ich
selber noch nichts dazu getan. Wie soll ich hoffen, dass mein Sohn einst meine
Arbeit fortsetzt, wenn ich die Aufgabe nicht erfüllt hätte, die ich von meinem
Vater übernommen -«
    »Von Deinem Vater? -«
    »Ach, verzeih - meinen wirklichen Vater habe ich ja nicht gekannt und in
meinem Herzen habe ich stets diesen« - er zeigte auf das Bild an der Wand - »so
genannt.«
    »Das hat er auch verdient ...«
    »Und billigst Du meinen Entschluss?«
    »Ich sagte schon: er beglückt mich. Nur das eine fürchte ich: - dass Du ein
zu weites Feld bebauen willst, und dadurch vielleicht gerade die Pflanze
vernachlässigen wirst, deren Pflege er« mit einem Blick auf das Bild - »uns
hinterlassen hat. Ich meine jene ganz bestimmte, umgrenzte Bewegung - -«
    »Ich weiß, was Du meinst: Schiedsgericht - Weltfrieden - - und das nennst Du
umgrenzt? Es bedeutet nichts geringeres als die Umwälzung aller landläufigen
Erziehung, Politik, Moral, Gesellschaftsordnung - - kurz, eine ganze Revolution.
Und bemerkst Du nicht, dass wir in einer Zeit leben, in welcher auch wirklich auf
allen Gebieten revolutioniert wird? Seit zehn Jahren etwa ist in Deutschland
eine Revolution der Literatur ausgebrochen; die bildende Kunst nennt ihren
Aufstand Sezession; die Frauen heißen den ihrigen Emanzipation und die
Proletarier - Sozialdemokratie, und so nach allen Seiten - -«
    »Nicht jeder, der eine neue Zeit ersehnt, braucht aber auf allen Seiten
mitzuarbeiten. Jeder hilft dem andern am besten, wenn er die eigene Aufgabe gut
erfüllt.«
    »Du, Mutter, interessierst Dich eben nur für die eine Frage - und nicht für
den Umschwung in Literatur und Kunst - nicht für die Frauen- noch
Arbeiterbewegung?«
    »Interessieren? Doch! Wer am Wandel der Zeit Anteil nimmt, der horcht und
blickt überall mit Spannung hin ... aber
