 hiesige Welt, mit der werde ich brechen müssen, das weiß ich wohl.
Die würde mir mein stolzes Lieben nicht verzeihen. Ja, wenn ich mich versteckte,
wenn ich meinen Mann und sie alle zu betrügen trachtete, und sie durchschauten
mich - dann wären sie voll Nachsicht ... etwas Geflüster, listiges Augenzwinkern
- eine Nummer mehr auf der amüsanten Liste der chronique scandaleuse doch von
der Besuchs- und Einladungsliste würden sie mich nicht streichen ...
    So aber, wenn ich es verschmähen werde zu lügen - werde ich verpönt sein:
Sie wissen schon? Die Sylvia Dotzky - mit dem jungen Dichter durchgegangen (sie
werden es doch durchgegangen nennen), sollen in Italien leben - abscheulich!
    Warum gerade in Italien? Das erzähle ich Dir später ... ich habe einen Traum
geträumt - da war unserer Liebe solch ein Schauplatz gegeben voll südlicher
Renaissancepracht ... vielleicht finde ich das an irgend einem italienischen See
oder Meeresstrand. Und wie er da arbeiten und schaffen wird - in seiner
Seligkeit die Welt bereichern, mit den Gaben seines Genius ...
    Übrigens, zwei Menschen auf dem Gipfel des Glücks, ist das nicht auch schon
eine Bereicherung der Welt ...
    Ich danke Dir, dass Du mich nicht unterbrichst - aber ich kann mir denken,
was Du nun einwenden wolltest: Wie lange soll der währen, dieser
Glücksparoxismus? Was dann, wenn der Rausch verflogen, die Jugend geschwunden
ist ... was dann? - -
    Nun, nach einem Dann, das hinter dem Ziele meiner und seiner Sehnsucht
liegt, nach dem fragen wir wahrlich nicht. Sollte das Glück, wie ich es mir
denke, nur die Dauer eines einzigen Maimondes haben, das würde hundert solche
Existenzen aufwiegen, wie die, denen ich sonst entgegenvegetiere ...
    Und dann, wer weiß? Für das Alter kann uns auch noch ein schöner Frieden
blühen. Selbst den Satzungen der Welt können wir ihre Tribute entrichten. Ich
kann ja auch Bressers Gattin werden - wie Kosima Bülow die Gattin Wagners
geworden. Ich will mich von Toni scheiden lassen. Es wird hoffentlich nicht
schwer sein; dann kann er seine Geliebte heiraten und seinen Knaben - Du siehst,
ich weiß alles - legitimieren.
    Gibt er mir meine Freiheit nicht - nun dann nehme ich sie mir ... Als mein
Recht. Ich lehne mich auf!
    Dass eine Frau einem Mann, der sie für eine andere verlassen hat, für den sie
selber auch keinen Funken Liebe mehr empfindet - ihre ganze Zukunft opfere,
dabei ihr Herz ersticken muss: dieses abscheuliche Unrecht werde ich nicht
erdulden. Ich lehne mich auf!
    Damit werde ich nicht nur mir, damit werde ich - wie mit jedem Kampf ums
