 mich
Ihr Beifall. Aber, dass ich's nur gleich sage: Zur Überwindung der Gewalt denke
ich mir keinerlei Gewalttaten. So lange man glaubt, das Böse mit Bösem
vertreiben zu können, wird der Gewaltring nicht gebrochen, der uns umklammert
hält.
    Der Gang der Kultur ist das Zurückweichen der Gewalt vor dem Recht. Noch
sind wir auf diesem Wege nicht weit vorgeschritten; aber jedenfalls wird die
menschliche Gemeinschaft in dieselbe Richtung weiter sich bewegen, bis zum
Eintritt in die gewaltlose Ära, in die kriegslose Zeit - wie dies vom
Versöhnungsapostel Egidy - der selber ein tapferer Soldat war - geprägte Wort
lautet. Was wir tun können, ist die Beschleunigung dieser Entwicklung; - aber
jedes brutale Mittel: Aufruhr, Attentat, Verfolgung - verfehlt den Zweck, und
verzögert den Gang der Kultur.
    Revolution predige ich nicht. Ich rufe auch nicht dem Publikum zu: Gehet hin
und schaffet dieses oder jenes ab, denn ich weiß, dass wir nicht direkt aus
diesem Musiksaal herausgehen können, ein kleines Häuflein Leute, selbst wenn wir
eines Sinnes wären, was wir gewiss nicht sind - um heute abend noch, oder morgen
früh die gleichgültige Masse draußen mitzureissen, die Gegner zu bekehren und
jahrtausend alte Institutionen umzustossen. Ich sage nur dieses, den
Unzufriedenen zum Trost, den Zufriedenen zur Warnung: die Wandlung vollzieht
sich schon.«
    Und so wie er vorhin die Zustände aufgezählt, die mit ihren Qualen und
Lasten die Gegenwart bedrücken, so nannte er jetzt, eine nach der anderen, die
verschiedenen Bewegungen und Organisationen, welche eine glücklichere und
gerechtere Zukunft vorbereiten; und neben den sichtbaren Organisationen auch die
unsichtbaren Stimmungen im Zeitgeist, durch die ein höheres Menschentum und
damit auch eine höhere soziale Ordnung sich ankündigt.
    »Noch etwas zum Schluss. Ich habe von Eintracht, Wohlstand, Friede, Freiheit
gesprochen und gezeigt, wie viele Keime schon spriessen, aus denen der Garten des
kommenden Paradieses hervorblühen wird. Und da bin ich mir des Spottes wohl
bewusst, der aus gar weisen Hirnen auf mich niederträufeln wird. - - Oh, der
naive Tor, wird es heißen - er sieht nicht, wie die praktische Welt auf das
Gegeneinander und nicht auf sein empfohlenes Neben- und Füreinander eingerichtet
ist; er sieht nicht, wie die Interessen überall im Kampfe liegen, er hört nichts
vom Lärm der Parteizwiste, des Klassenhasses, der Rassenverfolgungen; er weiß
nicht, wie die Geister von altem und neuem Aberglauben befangen sind - oh der
blinde, taube Träumer!«
    »Darauf will ich antworten: Alles das sehen und hören wir nur zu deutlich,
wir, die wir eine schönere Zukunft vorhersagen; wir sehen und hören sogar
schärfer als die anderen, denn unter der wuchernden alten Riesenvegetation sehen
