
    »Aber Dotzky - bist Du denn ganz verrückt,« unterbrach der Minister, in das
verwandtschaftliche Du zurückfallend - »ist die Geschichte mit dem Majorat
wirklich wahr? Ich hab's nicht glauben wollen.«
    »Ja, ich will ungebunden sein.«
    »Das ist ja niemand auf der Welt. - Jeden binden Pflichten - von unserem
allerhöchsten Kriegsherrn angefangen, an dessen Pflichttreue jeder sich ein
Beispiel nehmen kann.«
    »Gewiss. Aber auch ich habe nur aus Pflichtbewusstsein gehandelt.«
    »Und was in aller Welt willst Du denn mit solchen revolutionären Schriften
erreichen? Ich habe meinen Augen nicht getraut wie ich's durchgeblättert hab'.«
    »Ich bin nicht revolutionär. Ich sage was schlecht ist in unserer Gegenwart
und was gut werden könnte in der Zukunft. Ich sage aber nicht, dass der Weg vom
schlechten Alten zum guten Neuen über die Revolution führt. Von Gewalt will ich
nichts wissen weder von oben, noch von unten. Nicht eine Zeile wird in diesen
Schriften zu finden sein, die zu irgend einer Gewalttätigkeit aufreizen will.«
    »Und ich sage Dir, es ist nicht eine Zeile darin, vom Titel angefangen, die
nicht Auflehnung bedeutet. Verbrechen der Kulturmenschheit. Mein Amt ist auch
ein Stück unserer Kultureinrichtungen ... Bin ich ein Verbrecher? ... Kurz, Sie
haben sich unmöglich gemacht. - Ich hätte Sie für gescheiter gehalten. Wissen
Sie denn nicht, dass ein Soldat nicht offene Kritik üben darf an Dingen wie die
Gesellschaftsordnung oder gar am Militär selber?«
    »Wer darf also Kritik üben - da bei der allgemeinen Wehrpflicht jeder Mann
Soldat sein muss - nur Frauen, Kinder, Greise und Krüppel? Und da faselt man von
Freiheit -«
    »Du hast furchtbar vertrakte Ideen. Aber schließlich - ich will die Sache zu
applanieren trachten. Es hängt ja in letzter Instanz doch von mir ab. Wenn Du
wirklich nachweisen kannst, dass Du nichts direkt Beleidigendes und nichts zur
Auflehnung Ermunterndes gesagt und gemeint hast, und auch in Zukunft -«
    »Auch in Zukunft werde ich nie zur Gewalt aufmuntern oder zum Hasse
aufhetzen. Diese beiden Dinge sind ja eben das, was ich bekämpfe.«
    »Halte Dich in Zukunft lieber ganz still -«
    »Wenn das die Bedingung Ihrer Nachsicht sein soll, Exzellenz, dann möchte
ich schon bitten, es bei der Strenge bewenden zu lassen - denn zum Schweigen
kann ich mich nicht verpflichten.«
    »Na, wir werden ja sehen, wie Du Dich weiter aufführst. Einstweilen
betrachten Sie sich als gewarnt, Herr Oberleutnant Graf Dotzky.«
    Und damit war Rudolf entlassen.
    Er verließ das Kabinett des Ministers in trüber Stimmung ... Es war ihm, als
