 Je mehr man von ihr kennen lernt, um so größer wird für uns das, was sie
immer noch außerdem hat.«
Dann sollte ich noch mehr Geschichten geben.
    Und ich gab - noch vier.
 
                           Ich lass' Dich nicht los!
                                  Ein Zerrbild
»Ich will, was ich will!« schrei ich ihm schrill wie eine Lokomotiven-Pfeife
dicht überem Ohrläppchen ins immer noch nicht ganz taube Ohr.
    Und da hab' ich ihm den Rock zerrissen.
    Und da hab' ich ihm mit dem Zeigefingerknöchel der linken Hand in das
Fleisch gestoßen, das ihm überem Herzen sitzt.
    Und dann hab' ich ihm an den Schlund gepackt, dass er die Augen verdrehte -
wobei ihm der Schlips abfiel.
    Ich habe seinen dummen Schlips zertrampelt, und dann habe ich - wild
ausgesehen wie ein Teufel.
    Und da hat er Angst bekommen und sich nicht länger gewehrt.
    »Ich lass' Dich nicht los!«
    Diese Worte sagt ich ihm so klar und deutlich, dass er vollkommen das
Selbstbewusstsein verlor.
    Nun geht er ruhig neben mir - mein Schatten - mein Zerrbild! Er sagt auch zu
mir: »Ich lass' Dich nicht los!« Es klingt mir öfters sehr unheimlich - ich
möchte eigentlich wieder allein sein.
    Diese verdammte Gier!
    Diese verfluchte Sehnsucht!
    Dieses alberne Herrschenwollen!
    Alles dieses lässt uns auch nicht los - Nichts lässt los! Diese Welt ist doch
sehr fest ...
 
                                     Tief!
Glatt und grau liegt vor mir - unter mir - das große Wasser, das endlos ist wie
der Unsinn.
    Schönes großes Wasser, hast Du mich lieb?
    Eine merkwürdige Gestalt kommt hinten aus Dir heraus und geht auf Dir - wie
ein dicker Rentier auf'm Tanzboden geht - nach einer Bierreise!
    »Gestalt, die Du da so unheimlich nahst, bist Du betrunken? Du gleitest ja
immer aus! Geh vorsichtiger! Langsamer! Nicht mit beiden Füßen zugleich! Immer
erst den linken und dann den rechten Fuß - oder umgekehrt!«
    Die merkwürdige Gestalt, die ganz in einen weißen Mantel gehüllt ist, kommt
wirklich näher, obgleich sie fortwährend ausglitscht.
    Es muss ein seltsames Vergnügen sein, auf dem großen Wasser, das immer grau
ist wie ein alter Sumpf, so mit Anstrengung herumzuglitschen.
    »Mensch,« rief ich, »wenn Du ein Mensch bist und Deutsch verstehst, so sage
mir, warum Du da so beängstigend auf dem großen Wasser herumschwankst. Betrunken
bist Du nicht - sonst lägst Du längst auf der Nase.«
    »Es ist eben,« versetzt der fortwährend ausgleitende junge Mann, »so
furchtbar schwierig, hier zu gehen.«
    »Na, das merkt ein Pferd!« schrei ich ihm zu, »
