
    Im blauen Himmel leuchtete die gelbe glänzende Butterblume wie eine große
gelbe Sonne.
    Die Menschen staunten das Wunder an.
    Es war aber gar kein Wunder - es war nur ein lächerliches Symbol.
 
                                  Das Knäblein
»Ich weiß nichts,« sagte das Knäblein in der Badewanne. »Das ist auch gar nicht
nötig!« bemerkte die weise Mama. »Ich will doch aber,« rief das Knäblein, »ein
großer Mann werden. «
    »Dann brauchst Du,« schrie krächzend das weise Weltweib, »erst recht nichts
zu wissen.«
    »Dolle Welt!« murmelte das Knäblein.
 
                                Mensch und Tier
                                   Mausidyll
Der Kampf war aus.
    Aber wer gesiegt hatte, war nicht offenbar geworden.
    Der Bär hatte sich gewehrt bis zum letzten Moment, und der Indianer, der mit
dem Bären rang, war fürchterlich zerkratzt worden.
    Der Indianer war ein großer Krieger, und seine Feinde nannten ihn die große
Schlange.
    Der Kampf war aus.
    Mensch und Tier waren in der Höhle zusammen zu Boden gestürzt. Das Tier lag
unten, der Mensch auf dem Tiere. Aber Beide waren tot.
    Da lag sie nun - die große Schlange.
    Tot lag sie da - auf der Bärenhaut, und kein Mensch kam, den großen Krieger
zu bedauern. Es hätt' ihm das auch nichts genützt. Zwei kleine Mäuse krochen aus
der einen Ecke der Höhle hervor und sahen sich die Geschichte an.
    Da lag nun die große siegreiche Schlange wie ein altes Löschpapier auf der
Bärenhaut ganz still.
    Tote sind immer ganz still.
    Die beiden Mäuse zernagten dem Bären das Zahnfleisch, das ihnen
außerordentlich gut schmeckte.
    Der Vollmond schien in die Höhle und beleuchtete das stille Bild. In der
Ferne knallte ein Büchsenschuss, und das Echo an den Felsen hallte lange den
Knall nach - so im Zickzack.
    Die Mäuse bekamen Durst.
 
                     Kuddel-Muddel oder die vielen Rosinen
Sie hatten alle sehr viele Rosinen im Kopfe, und so kamen sie in hellen Haufen
auf dem Kapitol der Unternehmungslust zusammen. Und auf dem Kapitol zeigten sie
sich gegenseitig ihre vielen Rosinen - in denen stak alles das, was sie wollten.
    Sie wollten alle mal ergründen, worin der eigentliche Hauptwert des Lebens
und der Kunst zu erblicken sei.
    Und während sie nun immer heftiger all die vielen Hauptwerte ergründeten,
wurden ihre Reden immer verworrener - so dass schließlich ein großes
Kuddel-Muddel entstand - nicht bloß in den vielen Hauptwerten und Reden, sondern
auch in den vielen Köpfen und Rosinen.
    Und es ward plötzlich unheimlich still auf dem Kapitol. Aber nach einiger
Zeit hörte man in einer Kapitolsecke ein gemütliches Gelächter, und es sprach
einer, dem nie was klar geworden, da er stets die größten Rosinen im Kopfe
gehabt hatte:
