 allzuviel Licht in unser
Dasein hinein, nicht wahr? Ja - ja - es ist kein erhebendes Gefühl, in dieser
leeren Käseglocke wie eine Made dazusitzen und nicht weiter zu können -
eingeklemmt von den inhaltlosen Bildern unsrer Sinne. Nu rede Du, sonst komme
ich zu kurz bei der Torte.«
    Und der alte Priester aß wieder wie ein Scheunendrescher und versuchte
mehrmals zu lächeln, was ihm aber bei dem permanenten Gekaue nicht gelang.
    Der Baumeister klatschte währenddem mehrere Male mit der flachen Rechten auf
die eine Pyramidenseite wie auf einen Pferdeschenkel, dass es lustig durch den
Mondschein schallte, und sprach dann, nachdem er noch ein gutes Stück von seiner
Torte gegessen hatte, folgendermaßen:
    »Vieledler Priester aus dem alten Ägypten! Deine Phantasie ist sehr madig -
ich danke! Aber - um in Deinem ägyptischen Bilde vom Himmel zu bleiben, frage
ich Dich: warum sollen wir denn nicht durch die hellen Löcher da oben durch
können? Mit unsern Augen können wir doch die Löcher durchblicken und andre
Welten sehen. Genügt das denn nicht? Haben wir denn nicht ein paar Augen im
Kopf, die überall durchdringen können - und überall Alles sehen können? Und
trotz unsrer herrlichen Augen nennst Du unsre Welt ein Gefängnis? Edler
Priester, es steckt, wie ich gleich geahnt habe, so schrecklich wenig
Philosophie in Deiner trübsinnigen Weltanschauung. Ich kriege beinahe die
Schimpfsucht. Donnerwetter! Mit unsern herrlich leuchtenden Augen kommen wir
eben aus unsrer dunklen Weltglocke raus - in Millionen andrer Welträume hinein -
in denen Alles anders ist - so wie wir's gerade wollen - voll lachender
Herrlichkeit und allmächtiger Grandiosität. Unsre Augen haben einen Weltenwert.
Unser Sinnbilderdasein können wir so reich machen, dass uns die ganze
Unendlichkeit dagegen klein erscheinen kann. Wir können doch mit unsern Augen,
auch wenn sie blind geworden sind, zu allen Zeiten Alles sehen, was wir wollen.
Genügt das denn immer noch nicht? Ein Dasein, in dem wir schlechterdings Alles
haben, was von unsrer Natur empfangen und gehalten werden kann - ein solches
Dasein sollen wir miserabel nennen? Ein herrlicheres Dasein können wir uns ja
gar nicht denken - das gibt's ja gar nicht.«
    Der Baumeister war ganz außer Atem gekommen. Eulen flogen fauchend an der
Pyramide vorüber. Die Mumie hörte für ein paar Augenblicke mit ihrem Kauen auf
und sagte hüstelnd:
    »Rotbackige Begeisterungsweisheit! Jünglingspoesie! Deinen Reden fehlt ja
das Rückgrat; Dein Augenamüsement bleibt doch nur eine simple Sinnenlust. Wenn
Du mit der Sinnenlust allein zufrieden bist, so weiß man ja, was man von Dir zu
halten hat. Aber bei genügsamen, einfachen Gemütsmenschen wirst Du großen
Anklang finden - bei denen kannst Du Triumphe feiern!« Der alte Priester aß
jetzt langsam weiter
