. Ich sage Dir: Alles ist
einfach miserabel. Als Geist hat man auch nichts von seinem Leben. Ich freue
mich, Dich hier angetroffen zu haben - aber ich freue mich nur, weil ich jetzt
wieder mal die beste Gelegenheit habe, einen Menschen von der absoluten
Lächerlichkeit des Daseins überzeugen zu können. Nu rede Du, sonst komme ich zu
kurz bei der Torte.«
    Der Baumeister blickte hinab in den Mondenschein, der auch die Wüste Sahara
ganz hell machte, und sagte nach einer Weile: »Meine liebe Mumie! Wenn Du schon
ein Wesen bist, das menschliche Philosophie im Leibe hat, so wird es Dir nicht
gelingen, mich von der Lächerlichkeit des Daseins zu überzeugen.«
    »Köstlich!« rief die Mumie, »warum denn nicht?«
    »Weil Dir,« versetzte der Baumeister, »klar sein muss, dass Du weder die Welt
noch das Leben - weder das kosmische Dasein noch das menschlich-irdische Dasein
- durchschauen kannst. Und weil sich ein anständiger Mensch, der Philosophie im
Leibe hat, nicht ein Urteil über Dinge bildet, die er nicht durchschauen kann.«
    Nun wurde die Mumie mächtig wütend und schrie laut in den afrikanischen
Mondenschein hinein:
    »Mensch aus Europa! Was erlaubst Du Dir? Ich bin ein alter Priester aus dem
alten Ägypten! Nenne mich hinfort nicht mehr Mumie, sondern wie sich's gebührt.
Ich habe fünf Jahrtausende durchlebt - und den größeren Teil dieser Zeit als
Geist durchlebt. Da werde ich die Welt und das Leben doch wohl kennen gelernt
haben.«
    »Mitnichten,« erwiderte gelassen der Baumeister, »und wenn Du fünf Millionen
Jahre durchlebt hättest, Du wärest ebenfalls noch nicht so weit, um Welt und
Leben ganz durchschauen zu können. Warst Du vielleicht vor zwei Jahrtausenden im
nahen Alexandria?«
    »Selbstverständlich!« brüllte der Priester.
    »Da hast Du wohl auch,« fuhr der Andere fort, »die Skeptiker kennen gelernt,
die da auseinandersetzten, dass wir nur Sinnbilder der Welt - diese selbst aber
nicht zu erkennen vermögen.«
    »Ach, darauf willst Du hinaus!« rief nun wieder lachend die Mumie, »wenn Du
mit so alten philosophischen Scharteken ankommst, so wirst Du mich nicht aus dem
Text bringen. Wenn wir gar nicht raus können aus unsern Sinnbildern, wie's die
Skeptiker behaupten, so ist ja dieses famose Sinnbilderdasein erst recht ein
Jammerdasein - dann können wir doch erst recht kein Loblied auf unser irdisches
Gefängnis singen. Diese schwarze Käseglocke, unter der wir hier sitzen, verdient
es eben nicht, dass wir sie Himmel nennen, nicht wahr? Durch die paar hellen
Löcher, die Ihr da oben Sterne nennt, kommt nicht
