 den Berg hinunter ins Meer.
    Und auf der großen Rutschbahn geben die Mütter ihren Kindern die schönsten
Lehren mit auf den Weg.
    »Ihr müsst immer sehr freundlich tun,« kreischen sie wütend, »sonst könnt Ihr
ja den Menschen nicht den Kopf verdrehen. Ihr müsst den Menschen plausibel
machen, dass Ihr ihnen das einzig wahre Glück bringt - das große Zahlenglück! Ihr
dürft Euer Gift erst dann ausspritzen, wenn Ihr Euch an den Menschen festgesogen
habt. Und dann müsst Ihr den Menschen den Kopf dick machen mit Eurem Gift, dass
die Menschen blind werden für Alles und nur Euch lieben - Euch, Hexenzahlen! Ein
anderes Glück als das Zahlenglück darf's für die Menschen nicht geben. Hihihi!«
    Und die Hexen kichern, und die Kinder johlen - und sie schimpfen dazu - und
wie sie schimpfen! - da sind alle Fischweiber der ganzen Welt rein gar nichts
dagegen.
    Und dabei geht die Zahlenlawa gierig hinunter und taucht zischend hinein in
das Wogengewimmel des Meeres.
    Und das Meer glitzert und funkelt, dass der Mond erschrickt und nicht
versteht, woher all der Glanz herkommt; er - der Mond - ist doch immer noch
nicht voller geworden.
    Und die schimmernden Pracht-Zahlen schwimmen zu den Ländern der Erde und
schwimmen da die Flüsse hinaus mit Lachs und Aal Arm in Arm zu den berühmten
Städten der Menschheit.
    Und der Glückskrater dampft wie Millionen Fabrikschornsteine, und immer mehr
Zahlenlawa strömt hinunter ins Meer, dass das vor lauter Glanz brennt.
    Bald wird die Zahlenlawa das ganze Meer von oben bis unten mit Zahlenglück
erfüllen.
    Und die Menschen werden sich alle in das Zahlen-Meer stürzen.
    Und das Gelächter im Glückskrater wird ein großes Erdbeben erzeugen.
    Und die Köpfe der Menschen werden bei dem Zahlenglück so dick werden, dass
der alte Vollmond bald neidisch werden dürfte, wenn er all die großen
Wasserköpfe sieht.
    Und der Vollmond wird sich wieder aufpusten wollen - und es wird ihm nicht
gelingen - denn er kennt ja nicht - das menschliche Zahlenglück!!!
 
                                Der Revolutionär
Der Gemeindelehrer Lehmann war ein Menschenfreund; er beklagte täglich - beinahe
stündlich - das große Unglück, das durch den Krieg in die Welt kam.
    Und Lehmann beschloss, alle Gemeindelehrer zu Gegnern des Krieges zu machen;
in einem Rundschreiben, das er für sein eigenes Geld drucken ließ, bat er alle
seine Kollegen inständigst, der ihnen anvertrauten Jugend selbst von den
Kriegstaten der eigenen Nation fürderhin nicht mehr mit Begeisterung, sondern
nur noch mit dem Ausdrucke herzlichen Bedauerns zu erzählen.
    Dieses Rundschreiben kam den Vorgesetzten des Menschenfreundes zu Gesicht,
und es entstand im Volksschulratsgebäude eine peinliche Stille; die Leiter der
Volksschulangelegenheiten befürchteten sämtlich, dass derartig revolutionäre
Rundschreiben auch in den Kreisen, die der Regierung nahe
