 mit den einzelnen Worten völlig andre Geschichten. Das geht uns
natürlich nichts an. Laiensache bleibt Laiensache! Wir Künstler aber nennen die
ganze Welt unsre Heimat und finden überall dort unser Glück, wo wir nach unserm
Geschmack leben können. Das Land, das Du suchst, brauchst Du also nicht mehr zu
suchen, denn Du bist ja schon da. Du willst doch Künstlerin werden, nicht wahr?«
    »Ich möchte, «erwiderte schüchtern die gute Lika, »gern eine Künstlerin
werden.«
    »Das freut mich!« sprach der Dichter, »freut mich sehr! Ich hätte Dich auch
im andern Falle zum Fenster hinausgeworfen.«
    »Aber,« schrie erschrocken die Lika, »meine Porzellanschale wäre dann doch
entzweigegangen!«
    »Wir Dichter sind,« fuhr der alte Herr unbeirrt fort, »ebenfalls Künstler,
außerdem haben wir noch die Verpflichtung, weise Gedanken zum Ausdruck zu
bringen. Namentlich kommt es uns zu, jegliche Einrichtung der Welt im besten
Lichte zu zeigen und alle Schattenseiten nach Möglichkeit zu erhellen.« Der
Triton lachte leise auf seinem molligen Divan und blies wirbelnde Tabakswolken
in das stille, hochgelegene Dichterzimmer.
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»Kluge Lika, merkst Du nun bald was?«
    Also der Triton - die Lika sagte:
    »O ja! Ich merke, dass die ganze Reise eigentlich überflüssig war, denn was
ich suchte, ist ja da. Unsre Heimat ist überall. Und das Glück kommt ja beim
Schaffen. So klug, um das Alles zu begreifen, bin ich schon. Wo aber lerne ich
das Schaffen?«
    »Schaf!« versetzte beim Flügelputzen ein jüngerer Dichter, »ordentliche
Künstler lernen überhaupt nichts von Andern, sie probieren einfach und können
dann was.«
    »Ach so!« flüsterte nun die Lika lächelnd, »da werde ich Erinnerungen aus
meinem Leben schreiben, das kann ich bereits.«
    Die Dichter verneigten sich respektvoll und begrüßten in dem
Porzellanmädchen die neue Kollegin, empfahlen ihr aber, zuvörderst ins
Riesenreich zu fahren, allwo für Dichterinnen und Erinnerungskunst sehr viel
Platz vorhanden sei.
    Die Lika sagte nicht »Nein,« und so ging's schnurstracks ins Riesenreich.
    Die höflichen Dichter brachten ihre beiden Gäste schleunigst in die
Hinterzimmer und von dort in eine düstere Höhle, die nur von Fackeln erleuchtet
wurde. Unten plätscherte Wasser - da setzte man die Beiden hinein.
    Und bald schwamm der Triton, die Porzellanschale wieder vor sich
herschiebend, durch einen matt erleuchteten Höhlenfluss.
    Das Wasser rauschte sehr - es rauschte immer stärker, immer schneller schoss
es dahin. Bald merkte die Lika, dass sie sich in einem reißenden Strome befanden.
    »Wir sind in der Wasserrutschbahn!« brummte der Fischbeinige, hob die
Porzellanschale ein
