 gegen Liga, Konfession gegen Konfession, Fraktion
gegen Fraktion aufeinanderplatze, so behaupten auch sie, in Liebe verbunden zu
sein. Eine Liebe aber, welche hassen kann, gibt es einfach nicht! In ganz
derselben Weise belieb- und zugleich behassäugeln sich die Völker ebenso wie auch
die einzelnen Individuen. Wer aber wahre Liebe bringt oder brachte, die vor
allen Dingen und zunächst nach Frieden strebt, der wurde stets und wird noch
heute an das liebe Kreuz geschlagen. Und dabei behauptet jede Partei, dass sie
allein es sei, die den Frieden wolle! Natürlich aber behält sie sich
stillschweigend vor, dass er nur zu ihrem Vorteil abzuschließen sei! Ist das denn
Frieden? Nein, sondern neuer Grund zum Kampfe!
    Das Weltmeer kann nicht ruhig sein. Es ist eine den Winden preisgegebene,
willenlose Flüssigkeit. Aber muss denn die Menschheit mit ihren andertalbtausend
Millionen bewusster und denkender Intelligenzen sich ebenso in stetem Wogengange
befinden? Muss der hochbegabte, seiner Verantwortlichkeit sich sehr wohl bewusste
Mensch, sobald sein Nachbar wellt, sofort auch Wellen schlagen und sie
weitergeben? Gibt es keinen Halt auf weiter See? Kein festes Land? Und muss auch
jedes der vorhin gezählten kleinen, winzigen Binnenwässerlein gleich lächerlich
hohe Brandung schlagen, wenn vom Andern her ein Luftauch es berührt? Kennt denn
niemand jene Wunderhand, die damals, als auf dem See Genezaret der Ruf »Herr,
wir verderben« erscholl, den Elementen sofort Ruhe gab? Weiß man nur in seinem
Namen, aber nicht in seinem Geiste zu handeln? Erheben sich nicht augenblicklich
tausend Wogen ringsumher, wenn es einmal eine freundliche Herzenswelle wagt,
sich von dem allgemeinen Strom zu trennen? Wie manche solche Welle, die nach den
Gärten und Feldern des Ufers fließen wollte, um sie zu befruchten, ist von den
dunkeln Fluten, auf deren Grund die schwere, stählerne Schlepperkette ruht, mit
fortgerissen worden!
    Aber droben auf den Bergen, da liegen sie, in tiefer Einsamkeit, vom hohen
Forst beschützt, die immer klaren Wasserspiegel. Von unentweihten Quellen
gespeist, fließen sie über von Heil und Segen für jedermann, der von dem sumpf-
und fieberreichen Strome aufwärts nach seinem Ursprung wandert. Anstatt
Menschenrecht herrscht hier noch Gottesrecht. Die holde Fee der
Menschheitskinderzeit geht liebreich wandeln von Haus zu Haus. Des Edens fromme
Sage wird beim Scheine des brennenden Spanes an jedem Herd erzählt, und wenn die
Ahne im lauschenden Kreise der Enkel eine mit ihr altgewordene Mähr erzählt, so
hebt sie wohl mit den Worten an: »Als wir noch Kinder waren.« Sie weiß ja nicht,
dass sie stets Kind geblieben ist!
    So sitzt nach vollbrachtem Tagewerke oft auch die gute Pekala mit »ihrem
Kind« auf jener Bank im Garten, wo ich von
