, wie du mir wohl keine
halten kannst! Wer hat diesen Bau errichtet? Etwa ein einziger Meister? Während
kurzer Lebenszeit? Die Jahrtausende kamen und gingen; die Völker sind gekommen
und gegangen; die Zeit war mit der Menschheit Gast auf Erden, und jeder Gast hat
die Spur von dem zurückgelassen, was er hier in dieser seiner Fremde wollte. Die
Menschen, welche hier erschienen und verschwanden, haben einst, da sie noch
lebten, hörbare Worte gesprochen; ein höherer Wille aber trieb sie an, dem
vergänglich Hörbaren steinerne Gestalt zu verleihen, um es bleibend sichtbar zu
machen. Jeder von ihnen hat geglaubt, dass nur er allein der Weise, der
Erleuchtete sei, dass nur er allein das Richtige getroffen habe. Aber nur einer
von ihnen, der Erste, baute auf den eigentlichen Grund. Auf was aber setzten die
anderen ihre Steine? Auf das, was sie verwarfen! Könntest du es anders machen,
wenn du bei uns bleiben und da drüben bauen wolltest? Die Gedanken wären wohl
vielleicht von einem anderen Orte; die Steine aber müsstest du von diesem unserm
Berge nehmen, und die Arbeit müsste dir von uns geliefert werden. Nun frage ich
dich, welchen Einfluss wohl dieses Material und diese unsere Arbeit auf deine
Gedanken haben würden. Zeige mir in den Stockwerken da drüben einen reinen,
einheitlichen Stil! Er fehlt, und darum hast du dieses Haus hässlich genannt.
Gibt es überhaupt einen allein echten, einen allein wahren Stil? Bist du es,
der ihn bringt? Wird in deiner Heimat ganz ausschließlich nur nach ihm gebaut?
Du schweigst. Ich will dasselbe tun!«
    Es ist ganz selbstverständlich, dass der gute Tifl nicht so sprach, wie ich
seine Äußerungen hier niederschreibe. Er gab sich alle Mühe, die Ausdrucksweise
seines Herrn nachzuahmen, und es war wohl rührend, zu hören, dass ihm das
Unmögliche so ganz und gar nicht gelingen wollte. Aber ich hatte da wieder einen
hochinteressanten Beweis von dem Einflusse jenes wohltätigen Geistes, der mit
dem geheimnisvollen Herrn des »hohen Hauses« hier bei den Dschamikun eingezogen
war. Ich musste zwar vieles erraten und manches ergänzen, aber die Hauptsache war
doch die, dass Tifl den Ustad verstanden hatte und mit mir nun hierüber sprechen
konnte. Auf diesem bescheidenen Wege hatte wohl manches tiefe und schöne Wort
des greisen, ehrwürdigen Denkers nicht nur im Duar, sondern auch noch weit über
ihn hinaus die beabsichtigte Verbreitung gefunden. Der Mund des »Unmündigen«
spricht oft wirkungsvoller als die Lippe der Gelehrsamkeit.
    Als wir den Weg nun fortsetzten, führte er uns aus den Gärten heraus auf
eine grüne Alm, die sich bis hinauf zu den Blumensäulen des Beit-y-Chodeh
ausbreitete, hinter welchem dann
