 mit dem Musiklehrer und
den von Halefs Traum. Mit dem Traum war ich schnell fertig. Jeder Mensch trägt
zwei Prinzipe in sich, ein gutes und ein böses. Wenn ich Feinde haben sollte,
die es für ihre Aufgabe halten, das Böse in mir abzutöten und es sich zu ihrem
eigenen Wohlbefinden einzuverleiben, so werde ich mich allerdings mit keinem
einzigen Worte dagegen wehren. Ein Kampf zu dem Zwecke, fehlerhaft zu bleiben,
würde die allergrösste Torheit sein, die ich mir einst vorzuwerfen hätte. Der
menschliche Körper ist, wenn er begraben wird, allerdings für die Würmer
bestimmt. Aber die Seele, der Geist? Gibt es vielleicht auch geistige Maden,
welche in den etischen Fäulnisstoffen prassen, ohne die wir Sterbliche nicht
mehr Menschen sondern Götter wären? Arme, arme Made, wie bist du zu bedauern!
Welcher Ordnung der Lebewesen mag dein Organismus angehören, da er dazu bestimmt
zu sein scheint, sich an moralischen Leichen vollzumästen! Ich hoffe zu deinem
eigenen Heile, dass du nicht in Wirklichkeit, sondern nur in Halefs Traume
vorhanden bist!
    Was den Chodj-y-Dschuna betrifft, so vermutete ich, in ihm eine Quelle
gefunden zu haben, aus welcher mir neue, dem Abendlande fremde Ansichten über
Musik fließen könnten. Er hatte nur so kurze Zeit gesprochen, und doch besaß
schon das Wenige, was mir von ihm gegeben worden war, für mich eine Tiefe, in
welche hinabzusteigen ein hoher und edler geistiger Genuss zu werden versprach.
Dieser Mann hatte Gedanken und Anschauungen, die mir gewiss nur zur Bereicherung
dienen konnten, und ich fühlte meine europäischen Wangen keineswegs bei dem
Vorsatze schamrot werden, von diesem ungelehrten Kurden so viel wie möglich
lernen zu wollen. Der Osten hat uns mehr, viel mehr geistige Schätze geliefert,
als wir in unserm Stolze geneigt sind, zuzugeben. Es liegt für uns noch Manches
dort verborgen, wovon wir keine Ahnung haben, und der Chodj-y-Dschuna kam mir
wie ein abseits vom großen Wege liegen gebliebener Diamant vor, der es wohl wert
war, dass ich ihm Beachtung schenkte. -
    Diese Gedanken begleiteten mich, als ich den Berg hinabgetragen wurde - -
Schlossberg, hätte ich beinahe gesagt. Der Weg war breit und wohlgepflegt und von
ausgewählten Bäumen, Ziersträuchern und schönblühenden Pflanzen besetzt. Ich
habe daheim so manches Schloss gesehen, welches keinen von so verständiger Hand
angelegten Aufgang hatte. Jede Krümmung war berechnet, einen neuen und immer
wieder schönen Blick über das Tal zu bieten. Wenn der Ustad aus seinem »hohen
Hause« trat, um diesen Weg nach dem Duar hinabzusteigen, wie musste er sich da
seines Werkes freuen! Und jeder, der zu ihm emporzugehen hatte, konnte das nur
mit Dank und Liebe
