 rühmen, derartigen schweren Fragen bis auf den Grund zu
dringen. Selbst dann, wenn einst unser Geschlecht auf Erden ausgestorben ist,
wird das Reich der Töne unerforscht geblieben sein. Ich habe gehört, dass die
größten Gelehrten sich mit dieser Forschung befasst haben und auch noch heut
befassen. Es ist vergeblich gewesen. Ich bin kein Gelehrter. Ich baue meinen
Garten und mein Feld und hüte meine Schafe. Ich pflege dabei die Musik ganz aus
demselben Grunde, aus welchem ich esse und trinke, atme, wache und schlafe; es
ist der Befehl der Natur, dem ich gehorchen muss. Das eine beschäftigt meine
Gedanken ganz ebenso wie das andere. Diese Gedanken können nicht gelehrt, nicht
weise sein, denn ich habe keine Schule besucht, in der man lernt, wie man
gelehrt zu denken hat. Sie strengen mich nicht an; ich gebe mir keine Mühe, sie
zu finden; sie kommen mir wie die Luft, indem ich Atem hole; sie sind so leicht,
so einfach, so selbstverständlich. Ich würde wohl mit keinem Gelehrten über
Musik sprechen können, und doch ist es mir ganz so, als ob ich mich dessen, was
ich von ihr denke, nicht zu schämen brauchte. Wenn jemand spricht, wenn er
singt, wenn er musiziert, so hörst du Töne. Was aber ist der Ton? Ist er es
selbst, den du hörst? Oder sind es nur die luftigen Falten seines Gewandes,
welche an dein Ohr schlagen? Was für Töne gibt es wohl? Etwa viele? Oder gibt
es nur einen einzigen, der sich aber nach der Verschiedenheit der Personen und
der Werkzeuge auch verschieden offenbart? So gibt es auch nur eine einzige
Liebe, die sich aber bei jedem Geschöpf und in jedem Augenblicke anders zeigt.
Dieser Ton ist von Chodeh allen Menschen gegeben worden; sie wären ja nicht
Menschen ohne ihn. Er ist ihnen so notwendig wie das Licht, ohne welches sie
nicht leben könnten. Die Natur gibt täglich neue Strahlen und täglich neue
Töne. Sie kommen von dem einen Lichte und von dem einen Tone. Der Mensch besitzt
Organe, beide, die Strahlen und die Töne, in sich aufzunehmen. Und er hat oder
macht sich Werkzeuge, beide hervorzubringen, weil dies für die Fortexistenz der
Menschheit unentbehrlich ist. Werden die Töne in einfacher, natürlicher Weise
hervorgebracht, so bilden sie die Sprache. Erweckt, gebraucht und vereinigt er
sie nach künstlerischen Regeln, so hat er das hervorgebracht, was wir Musik zu
nennen pflegen. Je mehr er sich mit dieser seiner Kunst von der Natur entfernt,
desto schwerer zu begreifen wird ihre Sprache sein. Ja, es kann wahrscheinlich
vorkommen, dass man sie gar nicht mehr zu verstehen vermag
