, in dessen Ohr du heut das
liebe Wörtchen »Vater« rufst, ist durch die Ausscheidung seiner jetzigen und die
Aufnahme neuer, ihm ganz fremder Bestandteile nach zwei Jahren ein vollständig
anderer geworden, und du aber nennst auch diesen gänzlich fremden noch deinen
»Vaters«. Der Stoff also ist es nicht, der uns befreundet. Doch aber aus dem
Mutterherzen floss dem Kinde, bis es geboren wurde, mit jedem Pulse das Leben zu.
Und aus dem Elternherzen strahlte ihm die Liebe, die es nährte, pflegte und
auferzog, um es in dem ebenso täglich und immerfort sich erneuernden
Menschheitskörper Aufnahme finden zu lassen. Ist es nicht diese Liebe, welche
befreundet? Und nimmt also an dieser Verwandtschaft nicht die ganze Menschheit
teil? Der Körper, den heut unsere Marah Durimeh besitzt, ist mir vollkommen
fremd; er hat mit dem meinigen nichts, als die menschliche Form gemein. Und was
verbindet diese beiden Gestalten mit den längst verwesten Körpern unserer Ahnen?
Nichts, nichts und wieder nichts! Das, was ich Verwandtschaft nenne, besteht nur
und allein in der liebenden Zuneigung zwischen Geist und Geist, zwischen Seele
und Seele. Kann ich da aber von Onkel und Tante, von Neffe und Nichte sprechen?
Gibt es da Vater und Mutter, Sohn und Tochter? Wenn ein großer, hoch
entwickelter Geist einen kleinen, unentwickelten an sich zieht und zu sich
emporhebt, ist der eine dann der Vater und der andere der Sohn? Oder wenn eine
zarte, kindlich schwache Seele sich an eine gottbegnadete, starke schmiegt, um
bei ihr Schutz und Sicherheit zu finden, ist die eine dann die Mutter und die
andere die Tochter? Trachtet dein Geist, den meinen zu begreifen, so wirst du
mir mehr und mehr verwandt, und verbindet deine Seele sich immer inniger und
inniger mit der meinen, so treten wir uns durch diese Freundschaft näher, als
wir durch die körperliche Geburt uns nähern konnten; aber in keiner Sprache der
Menschen gibt es passende Worte, die Grade dieser geistigen und seelischen
Verwandtschaft zu bezeichnen. Ich sage dir ein großes Geheimnis, mein liebes
Kind: Es kann ein neuer Geist von einem oder einigen anderen geboren werden;
Seelen aber stammen nicht von Menschenseelen, sondern nur allein von Gott, dem
Herrn! Mein Leib und Marah Durimehs Leib gehen einander nichts an, obwohl wir
gleiche Ahnen haben. Unsere Seelen kamen von Chodeh. Aber mein Geist wurde aus
dem ihrigen geboren. Willst du nun noch fragen, ob ich vielleicht ihr Vetter
oder wohl ihr Neffe sei? - - So oder ähnlich antwortete mir der Ustad. Ich habe
viel darüber nachgedacht und endlich es begriffen. Begreifst du es auch,
Effendi?«
    »Ja. Sein Geist verschmäht schon
