 »dem toten Punkte« standen? Gewiss nicht! Sie
befand sich in ihrer Küche und wusste gar nicht, was hier bei uns getan oder
gesprochen wurde. Mancher bringt die Ahnung mit dem Instinkte in Verbindung.
Hatte Pekala etwas geahnt? Nein! Auch pflegt man instinktiv und unwillkürlich
gleichzustellen. Hatte Pekala die Küche unwillkürlich verlassen? War ihre
Strafrede eine unwillkürliche Mitteilung? Auch nicht! Man beobachte die
Personen, welche jenes »Gefühl für den rechten Augenblick« besitzen! Man wird da
oft von feinem Sinn, von Zartgefühl, von Takt und dergleichen sprechen; man wird
das, was sie tun, ihrer besonderen Einsicht, ihrer Unterscheidungsgabe, ihrer
Scharfsichtigkeit zuschreiben: aber alle diese Ausdrücke sind unzureichend, und
selbst wenn man das, was sie bedeuten, addieren könnte und dann die Summe
prüfte, so würde man finden, dass dieses Exempel ein ganz falsches sei.
    Turenne sagte einst zu einem seiner Generale: »Ihr kommandiert nicht,
sondern ihr werdet kommandiert!« Ist die Ahnung für den »rechten Augenblick«
eine Tätigkeit von mir, oder wird sie mir gegeben? Ist es richtig, zu sagen,
dass ich ahne, oder habe ich zu sagen, dass mir diese Ahnung irgendwoher komme?
Ich handle unwillkürlich, also ohne Willkür, ohne Willen. Der Antrieb kommt
nicht von mir. Von wem sonst? Jedenfalls von einer Seite, auf welcher es größere
Einsicht gibt, als ich besitze! Und diese außer mir existierende und auf mich
wirkende größere Klugheit soll ich als einen in mir verhandenen Naturbetrieb
bezeichnen? Nein! Wer aber ist der Turenne, der mich im »rechten Augenblicke«
vorwärts kommandiert? Wie schaut er aus? Wo ist der erhabene Punkt, von welchem
aus er, was ich denke, will und tue, dirigiert? Ist er jenes für uns leider
noch so außerordentliche unbekannte Wesen, welches wir die »Seele« nennen? Wenn
diese Seele sowohl in uns als auch außerhalb von uns in der Weise tätig ist,
dass beide Arten dieser Tätigkeit in innigem Zusammenhange miteinander stehen,
so ist es erklärlich, warum wir die uns von außen her gegebene »Ahnung« für eine
innere Tätigkeit von uns selbst halten. Und es gilt hierbei, der Wahrheit gemäß
zuzugeben, dass der Turenne da draußen unendlich mehr überschaut, als unser
schwacher, blöder Blick erfassen kann. Das sind nicht etwa metaphysische
Schlüsse, sondern sie gründen sich auf täglich sich wiederholende Vorkommnisse
in Innern meiner vor aller Augen existierenden Persönlichkeit. Wer nicht gelernt
hat, die Vorgänge seines innern Lebens ebenso unausgesetzt wie scharf und
unbefangen zu beobachten und zu vergleichen, dem wird es allerdings bequemlich
sein, sehr vieles, was er nicht zu begreifen versteht, ganz einfach postlagernd
nach dem Reiche des
