 kriechen über die Emailwälder. Die
Käfer kriechen bloß nicht.
    »Suchst du immer noch?«
    Also fragt neben mir die Liwûna.
    Und ich weiß nicht, ob ich noch suche.
    Mir ist wie in einem wirren Traume. Ich habe so viel vergessen, und ich
möchte doch so viel behalten. Liwûna ruft drohend:
    »Kaidôh! Kaidôh!«
    Ich schrecke zusammen und taste mit den Händen um mich, doch ich fühle
nichts. Auch der schwarze Stein lässt sich nicht anfühlen; die Hände gehen ohne
Empfindung durch. Ich kehre der Glanzwelt den Rücken, bewege wieder die Zehen
und schieße in die Höhe - immer höher - aber aus der schwarzen Felsenschlucht
komme ich nicht raus. Plötzlich gibts einen Krach, und auf allen Seiten fällt
was runter, und ich habe das Gefühl, dass alle schwarzen Felsen in die Tiefe
fallen.
    Und ich blicke in eine Spiegelwelt.
    Lauter Spiegelwände! Grade und krumme Spiegel - in verschiedenen Winkeln
stehen sie zu einander. Oben sind auch Spiegel kantenreich durcheinander
gestellt - unten nicht.
    Ich sehe Liwûna in den Spiegeln viele tausendmal. Sie hat noch ihr
Elfenbeingesicht - grüne Augen funkeln darin. Sie starrt mich an allen Ecken und
Enden wie eine richtige Medusa an.
    Neben der Liwûna erblicke ich ein anderes Wesen.
    »Das ist Kaidôh!« sagt sie neben mir.
    Kaidôh sieht ernst aus und hat eingefallene Augen, die grau sind, vergrämt
und ruhelos umherschweifen wie die Augen der Diebe.
    Kaidôh nickt der Liwûna zu und spricht zu ihr in all den tausend Spiegeln.
Was spricht Kaidôh?
    Seine Stimme tönt hell und splitternd - es ist aber nur eine einzige Stimme.
    Er sagt langsam und hört sich dabei:
    »Das Glück ist stets in dem Andern. Deswegen müssen wir der Andre werden.
Wir müssen nach dem Andern suchen. Wenn wir suchen, ohne zu wissen, was wir
wollen, so suchen wir immer ein Andres - das ist das Unbekannte - das Fremde -
das ist es, was wir herbeisehnen. Und wir sehnen uns nach der großen
Überführung. Für gewöhnlich verstehen wir uns nicht. Es ist jedoch kein
einfaches Hinübergehen - wir müssen hinübergeführt werden - ins Andre
hinübergeführt werden - von dem Geist, der uns immer begleitet. Das Eigene
müssen wir vergessen - aus uns herauskommen - nur dadurch kommen wir in uns
hinein. Eine sehr drollige Geschichte - aber auch eine sehr ernste - so
schauerlich ernst wie der Unsinn, der uns als Wahrheit erscheint. In den
Spiegelwelten sehen wir die Wahrheit im Unsinn und auch den Unsinn in der
Wahrheit. Alles ist verzerrt und verschoben - Fratzenreich! Aber so ist immer
die Welt, wenn sie sich uns von sehr vielen Seiten zeigt. Wir müssen sie im
ganzen fühlen
