 ihm zischend wieder mal eine Stimme zu, die er einmal gehört hatte.
    Und er sah einen Schlangenkopf vor sich - der sprach kalt und lachend:
    »Liwûna ist zur Knotenschlange geworden.«
    Und er fühlte, wie ihr hellgrüner, ungeheurer Schlangenleib mit den vielen
Knoten sich um alle seine Glieder wand und nur die Arme und den Kopf freiliess.
    In Liwûnas hellgrünem Schlangengesicht war die Schlangenhaut so fein, dass
Kaidôh die schwarzen Adern deutlich unter der Haut sehen konnte; er sah in den
Adern das schwarze Blut dahinströmen wie wilde Wasserfälle; er unterschied sogar
weiße Schaummassen in den schwarzen Fluten. Die Schlange sagte ruhig:
    »Du hast gehört und hast gesehen, dass ich in sehr vielen Gestalten dir
erscheinen kann. Ich kann dir in unendlich vielen Gestalten erscheinen. Wenn
deine Liwûna das schon kann, denkst du da, dass große Sterne das nicht auch
können? O ja - sie können das. Jedes Stück Welt erscheint anderen Sinnen anders.
Da das Erscheinen aber ein Sein ist, so ist jedes Stück Welt auch immer wieder
etwas andres, in jedem Augenblick - zu gleicher Zeit das Eine und auch alles
Andre - alles, was es scheinen oder sein kann - ist es auch immer. Und was vom
Stück gilt, wird wohl vom Ganzen erst recht gelten. Auch der Allgeist ist nur in
unendlich großer Mehrzahl zu denken. Und mit einem so unbegreiflich großen
Geiste willst du dich vereinen? Weißt du, wie dein massloser Wunsch zu
behandeln ist? Ich dächte, Du könntest dir die Frage selber beantworten.«
    Kaidôh sah, dass Liwûnas Schlangengesicht immer wilder blickte, ihre zwei
großen Augen wurden ganz weiß und traten weit vor. Die schwarzen Adern
schwollen heftig an. Und der Riese Kaidôh hatte ein Gefühl, als würde ihm der
ganze Rumpf durch den Schlangenleib vom Kopf getrennt - er fühlte seinen Rumpf
nicht mehr - und glaubte, nur noch Kopf zu sein und weiter nichts.
    Und ihm gingen die Gedanken ganz und gar durcheinander, und es befiel ihn
plötzlich eine zuckende Angst - Angst vor dem Wahnsinn.
    Und er rief laut:
    »Liwûna! Liwûna! Ich will nicht mehr das Ganze. Es ist zu groß. Es ist zu
viel. Ich will nur einen Teil - nur ein Stück von der Welt. Ich will nicht mehr
das Gewaltigste.«
    »Was willst du also?« fragte die Liwûna rau.
    »Ich will,« erwiderte der Kaidôh scheu, »eine vereinfachte Welt. Und mit der
will ich zusammen eins werden.«
    Und Kaidôh fühlte wieder seinen Rumpf unter sich - aber seine Fäuste
schienen ihm noch weiter entfernt zu sein - seine Arme standen steif im rechten
Winkel zum Körper.
    »Eine einfache, gewaltige Stunde!«
