 den Geist der Selbstsucht, des Hasses, der Rache
besiegt; so hast du aus uns Menschen gemacht, welche die Friedenspfade Allahs
wandeln, und so bin auch ich durch dich aus einem nach Vergeltung schreienden,
unerbittlichen Bluträcher ein gläubiger und folgsamer Anhänger des Gottessohnes
geworden, der seine Lehre von der ewigen Macht der Liebe durch sein ganzes
Leben, durch sein Leiden und dann durch seinen Tod besiegelt und bestätigt hat.
Hanneh, die Beglückerin unseres Scheikes, ist es nicht allein, welche von einer
Kijahma sprechen kann, sondern wir alle haben eine Kijahma gehabt, eine
Auferstehung, eine Befreiung, eine Rettung aus dem Reiche des Hasses in das
Reich der Liebe und des Friedens. Das, Effendi, wollte und musste ich dir sagen,
weil mein Herz mich dazu treibt, jetzt, wo wir auch eine Kijahma vor uns haben,
welche der Schärfe deines Auges zu verdanken ist.«
    »Und noch eine Frage,« fiel Hanneh wieder ein. »Besjetzt Emmeh, die
freundliche Spenderin deiner Behaglichkeit, auch einen so festen Glauben, grad
wie du?«
    »Ja,« antwortete ich.
    »Hat sie ihn stets gehabt?«
    »Sie hatte diesen Glauben schon, als ich sie kennen lernte; er lag in der
Tiefe ihres Gemütes aufbewahrt.«
    »Und da brachtest du den Sonnenschein, der ihn hervorrief an das Tageslicht?
Du hast ihn gepflegt mit liebevoller Hand und nun deine Freude daran, wie an
einem Baume, an dessen Früchten man sich doppelt erquickt, weil man ihn mit
eigener Hand emporgezogen hat. Sihdi, wie gern, wie so gern möchte ich deine
Emmeh kennen lernen! Ich würde ihr zu liebe alles tun; ich wäre sogar bereit,
mich mit ihr, wenn sie es wollte, in einen Wagen eurer Eisenbahn zu setzen, um
mit ihr so weit zu fahren, wie es ihr beliebt!«
    »Ich aber mit!« bemerkte Halef schnell. »Frauen bedürfen stets der
Unterstützung und des Schutzes, und das freundliche Lächeln, welches sie dann
dafür geben, ist dem eigenen mehr als einem fremden Manne zu gönnen!«
    »Lächeln?« fragte sie. »Ein freundliches Lächeln? Was meinst du damit,
lieber Halef? Wer lächelt da?«
    »Ihr!«
    »Wir? Also auch ich?«
    »Ja.«
    »Warum?«
    »Weil der - - - der Schutz - - - der Schutz, den sie bedürfen,« stotterte er
verlegen. Dann wendete er sich rasch und in resolutem Tone an mich: »Sag du es
ihr, Effendi! Ich habe mich verritten, und du verstehst dich auf eure
Eisenbahnen doch besser als ich, der ich ja noch gar keine gesehen
