 Blut und
ist an ihm festgebunden! Oh, Sihdi, Sihdi, ich glaube, er ist tot!«
    Es war mir, als ob jemand mir mit einer in kaltes Wasser getauchten Hand
über den Rücken streiche! Das war ja entsetzlich, entsetzlich! Das war ihm
wahrsten und zugleich im überzeugendsten Sinne ein Gottesgericht. Wer da noch
von Zufall sprechen kann, an den ist jedes weitere Wort Verschwendung!
    Der »Liebling des Grossscherifs« musste sich auch setzen, und zwar zwischen
zwei Beni Lam, welche seine Wächter waren. Und das tat er mit der hinter ihm
festgebundenen Leiche seines Sohnes! Es war so grauenhaft anzusehen, dass ich
mich abwendete. Er sagte kein Wort; keinen Laut ließ er hören! Sein Gesicht
konnte ich der Dunkelheit wegen von meinem Platze aus nicht sehen oder doch
nicht erkennen. Halef kam wieder her und sagte in bewegtem Tone:
    »Wie mich das gepackt hat, Effendi, das kann ich dir gar nicht sagen! Es ist
mir, als ob ich an der Wage der Gerechtigkeit stände und selbst gewogen werden
sollte! Nichts Böses tun, nur nichts Böses tun! Ich wollte, tausend Menschen,
Millionen Menschen, alle Menschen, die ganze Menschheit ständen hier, um diesen
niederschmetternden Beweis zu sehen, dass Allah sich nicht spotten lässt! Horch!
Was war das? Hast du es gehört?«
    »Ja.«
    Es war vom Tachtirwan her ein Schluchzen geklungen, dem man anhörte, dass es
zurückgehalten werden sollte aber doch nicht unterdrückt werden konnte.
    »Das ist Hanneh, die weichherzigste aller gütigen Frauen! Sie fühlt sich
auch ergriffen, tief ergriffen. Oh, Effendi, und früher habe ich mich oft mit
ihr gestritten, weil ich als Moslem behauptete, dass die Frauen keine Seelen
haben! Und jetzt geht mir nicht nur die meinige, sondern noch viel, viel mehr
die ihrige über alle irdischen Vorzüge und alle Reichtümer dieser Welt! Wenn ich
mir den Mann dort vorstelle, wie er geifernd vor uns stand, um unsere Liebe zu
schmähen und zu verlachen, wie er lästernd sie herausforderte, ihn zu strafen,
und ihn nun zusammengebrochen unter der fürchterlichen Last der Leiche seines
Sohnes dort hocken sehe, so habe ich das Gefühl, als ob mir alle meine Nerven
einzeln aus dem Leibe gezogen werden sollen! Ich möchte es hinausschreien über
die Wüste, die Städte und Dörfer, über die Flüsse und Ströme, über alle Länder
und alle Meere, dass es außer dem Glauben für die Seele keine andere Luft zum
Atmen gibt, und dass die Liebe das einzige Licht, die einzige Wärme im Himmel
und auf Erden ist!«
    Scheik Abd el Idrak saß noch neben uns. Er hörte Halefs Worte, machte eine
