 Kampf frei. Ist das nicht
Feigheit?!«
    Der Hadschi konnte seinen Zorn kaum bemeistern. Er musste sich die größte
Mühe geben, möglichst ruhig zu antworten:
    »Das ist eine Verdrehung der Tatsachen, welche du dir ausgesonnen hast, um
prahlen zu können!«
    »Ich habe nicht geprahlt, sondern die Wahrheit gesagt!«
    »Nein, sondern die Lüge! Es ist nicht beschlossen worden, um die Freigebung
der Diebe zu kämpfen, sondern der Kampfpreis war der Besitz ihrer Personen. Sie
befanden sich bei euch, und wir wollten sie haben. Darum wurde festgestellt, dass
sie dem Sieger gehören sollten. Jetzt aber handelt es sich nicht um ihre
Personen, denn die haben wir ja, sondern um ihre Freilassung. Eigentlich könnten
nun wir, nämlich wir, wir, auch verlangen, dass um ihre Freiheit gekämpft werde,
aber sie sind unsere Gastfreunde nicht, und so haben wir nicht wie du die
Pflicht, sie zu beschützen. Wenn wir sie unbestraft entkommen lassen, tun wir
das also aus Barmherzigkeit, nicht aus Angst. Das ist doch so klar, dass man
darüber kein Wort zu verlieren braucht.«
    »Du ereiferst dich ohne Erfolg! Es bleibt bei dem, was ich gesagt habe: Es
sollte um sie gekämpft werden, und weil ihr Angst vor unserer Tapferkeit hattet,
so versuchtet ihr, sie durch feige Hinterlist in eure Gewalt zu bringen, was
euch leider auch gelungen ist. Und nun ihr euch wohl sagen müsst, dass ich sie,
und sei es mit Hilfe der Gewalt, von euch zurückfordern werde, gebt ihr sie uns
freiwillig wieder, aber das Eigentum des Ghani wollt ihr behalten!«
    Wie ich meinen kleinen, mutigen Hadschi kannte, dem Feigheit das
Allererbärmlichste auf Erden war, stand jetzt eine Übereilung von ihm zu
befürchten; darum wollte ich schnell das Wort ergreifen; aber er sah das und
forderte mich auf:
    »Du bist jetzt still, Effendi; ich bitte dich! Einen solchen Vorwurf lässt
kein Krieger der Haddedihn auf sich sitzen!«
    Da klang es hinter uns:
    »Auch keine Frau der Haddedihn!«
    Ich drehte mich um. Da stand Hanneh mit blitzenden Augen und dunkel
geröteten Wangen. Die erregte Verhandlung war so laut geführt worden, dass sie
drüben an der andern Seite des Brunnenplatzes alles gehört hatte. Nun war sie
eilends herübergekommen, um auch ihrerseits die beschimpfende Anschuldigung
energisch zurückzuweisen, ein Vorgang, dessen Ungewöhnlichkeit eine
augenblickliche Stille hervorbrachte. Tawil Ben Schahid war der erste, der sie
unterbrach.
    »Ein Weib, ein Weib!« höhnte er. »Das beweist die Wahrheit dessen, was ich
gesagt habe, denn wir hören nun ja, dass bei den Haddedihn die Frauen mutiger
