 Großen
der Erde betonen die Vorrechte der Geburt, und die andern heben dagegen ihre
persönlichen Errungenschaften hoch empor. Hier dieser fordert in seinem eigenen
Interesse Gehorsam für im Laufe von Jahrhunderten bewährte Einrichtungen und
dort jener verlangt aus demselben Grunde, dass man den Anforderungen der Neuzeit
folgsam sei. Es werden neue Rechte und neue Pflichten angefertigt, denen man
wohlklingende Namen gibt. Da wird von einem Rechte auf Gleichheit in den
verschiedensten Beziehungen gesprochen, von einem Rechte des freien Denkens, der
Arbeit, des Lohnes, der Verbindung und Verbrüderung. Jeder stellt sich
kampfbereit, um grad das Recht, welches er für das seinige hält, zu verteidigen,
und erkennt dabei nicht, dass in dieser Verteidigung schon der Angriff gegen
andere Rechte liegt. So wirkt einer gegen den andern, und die eigentliche,
wirkliche Wahrheit ist doch, dass sie alle unrecht haben. Denn nach Gottes
Ratschluss besitzt der Mensch nur ein einziges Recht und nur eine einzige
Pflicht, nämlich das Recht und die Pflicht der Liebe. Wie aber steht es bei euch
damit im Erdenleben? Gibt es einen einzigen Menschen, welcher auf dieses Recht
der Liebe verzichtet? Und wie viele aber sind es, welche, wie Gott es doch
gebietet, ihr ganzes Leben der Pflicht der Liebe weihen? Schau sie an, die da
vorüberziehen. Sie alle haben nach Gerechtigkeit geschrien, aber keine
Gerechtigkeit gegeben, weil sie keine Liebe besaßen. Sie haben gesprochen und
geschrieben, gestritten und gebrüllt für ihre einander widerstreitenden,
einander aufhebenden Rechte; sie haben gehadert gegen die Menschen und gegen
Gott, von welchem sie mit erhöhter Stimme Gerechtigkeit verlangten, wobei sie
ihm aber sein Recht, den Glauben an ihn und die Liebe zu ihm, verweigerten. Und
nun kommen sie sogar hier mit derselben Forderung herangeschritten: Sie
verlangen die Seligkeit als ihr Recht; sie bringen das große Ausrufungszeichen
nach Gottes Gerechtigkeit getragen und ahnen nicht, dass sie dort an der Wage
nach der ihrigen gewogen werden. Sie haben sich gegen sein großes Gesetz der
Liebe empört, ihm den Gehorsam verweigert, ihm den Glauben versagt, ihn
verleugnet und aus ihrem Leben gestrichen, und nun übt er dasselbe Recht wie
bisher sie, nämlich sie ebenso nicht zu kennen, wie sie ihn nicht gekannt haben.
Sie sind vorüber. Wer kommt jetzt?«
    »Ich sehe die schöne Inschrift Muhabba118. Die, welche hinter ihr schreiten,
sind sicher für die Seligkeit bestimmt; denn du hast ja soeben Liebe gefordert.
Ich unterscheide - - -«
    »Schweig! Schweig von ihnen!« unterbrach ihn Ben Nur streng. »Die, welche
jetzt an dir vorüberziehen, sind entweder Abgötter oder Götzendiener gewesen,
eins von beiden, weiter nichts! Das sind die Väter, die Mütter,
