 wird euch dann
weiter und mehr die erhabene, strahlende Pracht, die jenseits des Zweifels dem
gläubigen Blick sich erschliesst. Ihr sollt euch ja freuen über das auf der Erde
für die Erde Errungene, denn der Kampf mit dem Leben und der Erfolg geistigen
Forschens stählen auch die seelische Kraft. Doch bietet der Weg nach dem
Jenseits euch noch höhere Freuden, die sich dann am Ziele vergrößern zur
seligen, ewigen Wonne. Zwei Pflichten also sind es, zu deren Erfüllung euch der
Herr berufen hat: Ihr sollt mit allen euch gegebenen Kräften für das Diesseits
und für das Jenseits wirken. Doch sind diese Pflichten eigentlich nicht zwei,
sondern nur eine: Ihr sollt im Diesseits für das Jenseits wirken. Und wie wenig
ist das doch bisher geschehen! Das Diesseits nahm die Tätigkeit des Menschen so
für sich gefangen, dass er jetzt, nach einer Reihe von Jahrtausenden, noch am
Beginne des Himmelspfades steht und nicht einmal Es Setschme, den Ort der
Sichtung, kennt, der zwischen dem Augenblicke des Sterbens und dem Tore der
Himmel sich befindet. Ich schaue in eure Herzen und sehe in ihnen das Verlangen
nach dem Lichte jener Welt. Zwar darf ich euch nicht jene Sphären zeigen, in
denen Gott mit seinen Seligen wohnt, denn vor dem Glanz der Herrlichkeit dort
oben würde euer Auge gleich bei dem ersten Blick erblinden; aber nach diesem Ort
der Sichtung, nach diesem Vorhof kann ich eure Seelen führen. Ihr sollt euch
meiner Führung anvertrauen und eine kleine Erdenstunde lang am offenen Jenseits
stehen. Was ihr dort seht, merkt's euch fürs ganze Leben! Ich tue es, um euch
eine Ahnung dessen zu geben, was der Glaube, den ich meine und für den ihr nicht
das rechte Wort besitzt, zu sehen und zu erreichen vermag, während selbst eurer
höchsten Gelehrsamkeit dort der Zutritt streng und für ewig verboten ist. Denn,
sage ich euch, am Tage des Gerichtes, welcher für die Verstorbenen eher beginnt
und länger währt, als ihr hier unten denkt, wird niemand über den Reichtum
seines Geistes, sondern ein jeder nur über die Schätze seines Herzens
Rechenschaft abzulegen haben. Es wird nicht zwischen gebildet oder ungebildet,
sondern nur zwischen gut oder bös, zwischen Liebe und Lieblosigkeit
unterschieden. Ich werde jetzt meinem Freund, durch den ich zu euch spreche,
zeigen, was ihr wissen sollt; er sagt es euch, und wenn ihr etwas nicht
versteht, so dürft ihr fragen; doch Erkundigungen irdischer Neugierde werden
unbeantwortet bleiben.«
    Es ist unmöglich, die Stimmung zu beschreiben, in welcher ich mich jetzt
befand. Über uns der mit einem nicht eigentlich sicht- aber doch wahrnehmbaren
Schleier bedeckte Himmel, an welchem nur die Sterne bis mit vierter Größe zu
sehen
