 nur eures Geistes, sondern auch eures Herzens! Ihr
unterscheidet am Menschen Leib, Seele und Geist; ihr sprecht von Kopf und Herz,
vom Verstehen, Fühlen, Erkennen und Wollen, von Vernunft, Verstand und Gefühl.
Könntet ihr euch sehen, wie ich euch sehe, indem mein Auge jede innerste Faser
eures Körpers und die verborgenste Regung eures Geistes, eurer Seele
durchschaut, so würde euch klar werden, wie falsch alle diese Unterscheidungen
sind. Der geistige Mensch kann nicht zergliedert werden wie der Körper; er ist
nicht mit verschiedenen Kräften und Vermögen tätig, wie der Körper es bald mit
den Armen, den Beinen, bald mit den Augen oder den Ohren ist. Selbst wenn ihr
diese Tätigkeit nach ihren verschiedenen Weisen und Richtungen bezeichnet,
bedient ihr euch falscher Namen. Wie es keine Grenze zwischen Gottes Allmacht,
Allweisheit und Allliebe gibt, denn Gott ist Eins, so sind auch bei seinem
Ebenbilde, dem Menschen, das Denken, das Fühlen, das Wollen nicht voneinander zu
trennen, denn der geistige Mensch ist auch Eins. Doch muss ich mich eurer Weise
anbequemen, weil ihr mich sonst nicht verstehen würdet. Hört und merkt euch
genau, was ich euch jetzt sage! - - -: Der Mensch ward ein Pilger auf Erden, um
ein Bürger des Himmels zu werden. Er hat hier zu säen, um dort ernten zu können.
Er hat hier die Augen zu öffnen, um dort sehend zu sein. Er hat hier zu lernen,
um dort zu bestehen. Nach seiner Arbeit hier richtet sich dort sein Lohn, denn
seine Werke folgen ihm ins Jenseits nach, die guten sowohl wie auch die bösen,
und wer hier seiner Trägheit fröhnt und nicht rastlos und unausgesetzt für den
Himmel wirkt, der tritt in jenes Leben mit leeren Händen ein und wird
zurückgewiesen werden. Sprecht ja nicht in eurer Bequemlichkeit: Ich hüte mich
ja, Böses zu tun und muss also selig werden! Wer so sich nur hütet, von der
Arbeit nicht beschmutzt zu werden, wer so hier nur von Gottes Gnade lebt wie ein
fauler Sohn vom Reichtume seines Vaters, der erwirbt nichts für die Ewigkeit und
tritt dereinst als Bettler vor Gottes Thron. Am Jenseits aber wird der Bettler
abgewiesen, denn wer das Mitleid Gottes hier verbrauchte, dem bleibt nichts
davon für den Himmel übrig! So ist also das Erdenleben eine Vorbereitung auf das
große, einstige Examen. Das Zelt, welches du als Pilger hier aufschlägst, es sei
dir ein Kalyb110 des Hauses, welches dich in jenem Leben erwartet! Du darfst
nicht nur, nein, du sollst sogar dir dieses Zelt so fest und sicher wie möglich
bauen; du sollst es schmücken und verschönern mit den Gaben, welche dir
