 anlegen. Sie gehören nur an die Füße. Weiter: Wohin
bekommt man die Bastonnade?«
    »Auf die Fusssohlen.«
    »Wird da der Leib bestraft?«
    »Ja, denn die Füße sind ein Teil des Leibes.«
    »Nein! Sie sind ein Teil des menschlichen Körpers, aber nicht des Leibes.
Lautet aber unser Versprechen etwa so, dass die Mekkaner nicht an Körper und
Leben bestraft werden sollen?«
    »Nicht an Leib und Leben,« antwortete ich sehr ernstaft, obgleich seine Art
und Weise mich innerlich belustigte.
    »Nun gut! Hanneh hat also vollständig recht, wenn sie sagt: Wenn ihr ihm die
Bastonnade in der Weise gebt, dass er nicht daran stirbt, so handelt ihr nicht
gegen euer Versprechen, denn er bekommt sie nicht auf den Leib, sondern auf die
Sohlen seiner Füße, welche zwar Teile des Körpers, aber nicht des Leibes sind.
Nun, Effendi, was denkst du nun? Bewunderst du nicht die Folgerichtigkeit der
unübertrefflichen weiblichen Gedanken, welche ich euch jetzt aus meinem
Tachtirwan herübergeholt habe?«
    »Ja, ich zolle ihnen meine Bewunderung.«
    »Schön! Da aber Bewunderung zugleich Anerkennung bedeutet, so liegt in
diesen Worten die Zustimmung, welche wohl auch du, Khutab Agha, mir nicht
verweigern wirst!«
    Der Perser erteilte seine Einwilligung nur zu gern:
    »Ich danke dir, Hadschi Halef, ich danke dir von ganzem Herzen! Erst schien
es, als ob diese verruchten Diebe sich hohnlächelnd hinter eurem Versprechen
verbergen könnten, und ich hatte schon den stillen Entschluss gefasst, sie auf
meine eigene Faust zu bestrafen, was mir niemand verbieten kann, weil ich mich
durch kein Versprechen verpflichtet habe, ihnen nichts zu tun. Um so mehr freut
es mich, dass die Blume deines Herzens uns diese schöne und hochwillkommene
Erleuchtung gespendet hat, und es kann mir gar nicht in den Sinn kommen, mit
meiner Einwilligung auch nur einen Augenblick zu zögern. Diese diebischen
Schänder des Heiligtums sind um so strafbarer, als sie ihr Verbrechen als unsere
Gäste und Abgesandte des Grossscherifs begangen haben, und es versteht sich darum
ganz von selbst, dass wir uns nicht etwa für einen milden Grad der Bastonnade
entscheiden!«
    »Das fällt uns nicht ein!« stimmte Halef sehr gern bei. »So viel wie
möglich; das ist der Grundsatz, welcher uns zu leiten hat, wenn wir die Zahl der
Hiebe bestimmen.«
    »Ganz recht; so viel wie möglich! Die meisten aber hat der Ghani zu
bekommen, weil er der Urheber des Verbrechens und zugleich der boshafteste von
ihnen allen ist. Da wir über diesen Punkt unter uns wohl sehr einig sind, bitte
ich dich, Hadschi Halef,
