 Der Wert der letzteren ist folglich
größer?«
    »Das habe ich nicht gemeint und nicht behaupten wollen. Aus meinen Worten
geht nur hervor, dass sie oft deutlicher, also leichter zu verstehen ist als die
Suren des Propheten. Ihm war ein anderer Weg vorgeschrieben als dem Stifter der
christlichen Religion, nämlich der Kampf, während Jesus der Prediger der Liebe
und des Friedens sein durfte. Da Jesus nicht gehört wurde, musste ihm ein
Muhammed folgen. Christus fasste den ganzen Inhalt seiner Lehre in das Gebot
zusammen du sollst Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen lieben und deinen
Nächsten wie dich selbst. Hätte er Gehorsam gefunden, so wäre das Reich des
Friedens angebrochen, dessen Verkündigung in den Worten lag den Frieden
hinterlasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch! Er, der Friedensfürst, wurde
an das Kreuz geschlagen, und wie dabei der Vorhang im Tempel mitten auseinander
riss, so war der Friedensbund zwischen Allah und der Menschheit zerrissen, und es
musste der Prophet kommen, dessen Religion bestimmt war, auf den Spitzen der
Schwerter getragen und verbreitet zu werden. Wer den Frieden nicht haben will,
der will den Kampf. Da die Menschheit die Lehren Christi verwarf und heut noch
verwirft, wird sie sich von der Streitbarkeit des Islam bekehren lassen müssen.«
    »Ist die Lehre Christi wirklich in der Weise abgewiesen worden, wie du
sagst? Ich denke, es gibt weit mehr Christen als Muhammedaner, so dass auf
fünfzehn Moslemin wenigstens vierzig Christen zu rechnen sind.«
    »Wenn du die Köpfe zählst, so hast du recht; Allah aber sieht das Herz an;
zähle also die Herzen, nicht die Köpfe! Dann wirst du erkennen, wie wenig wahre
Christen und wie viel, viel mehr gläubige Anhänger des Islam es gibt. Ich kenne
dieses Namenchristentum leider nur zu gut. Ich habe es studiert und darunter
gelitten seit meiner Jugendzeit und - - -«
    Er hielt plötzlich in seiner mit großem Eifer vorgetragenen Rede inne und
fuhr dann, sich verbessernd, langsam und mit mehr Überlegung fort:
    »Ich wollte sagen: Ich habe es aus vielen, vielen Büchern studiert und bin
mit manchem sogenannten Christen zusammengetroffen, der grad und genau das
Gegenteil von dem war, was ein Anhänger der Messiaslehre sein soll. Ich habe da
so viel Trauriges erfahren und erlebt, dass ich nur höchst ungern davon spreche.
Schweigen wir also über diesen Gegenstand! Gebt mir lieber Tabak; die Pfeife ist
mir wieder ausgegangen!«
    Als ihm dieser Wunsch erfüllt worden war, gab er sich seinem
Lieblingsgenusse in einer Weise hin, welche, wenn ich die Absicht dazu gehabt
hätte, es vollständig ausschloss, das Gespräch mit ihm fortzusetzen. Er sah ein,
dass er mehr gesagt
