 etwas Anatomisches, Morphologisches! Ein Kolleg fiel
aus, und da bin ich in die vergleichende Anatomie gegangen und habe das gehört.
Denken Sie sich, wir hatten in einem gewissen Entwicklungsstadium noch ein
drittes Auge, ein Scheiteloder Parietalauge, - ist das nicht reizend?«
    Sie lachte lebhaft, und ich fiel ein.
    »Und wie schade, dass es uns verloren gegangen ist!« fuhr sie mit klagender
Betonung fort, »wenn wir es doch noch hätten! Denken Sie, man könnte sich dann
auf der Erde beschäftigen, seinen Arbeiten nachgehen, und mit dem dritten Auge
sähe man die ganze Zeit den Himmel und Sonne und Sterne! Ein Auge wäre immer da
oben - was es wohl alles sähe!«
    »Ich fürchte, es würde meistens in den Hut gucken,« scherzte ich.
    Aber lebhaft wehrte sie ab. »Oh nein! das wäre dann alles ganz anders! das
ganze Leben würde ja anders sein.«
    »Man hätte dann keine Hüte, meinen Sie?«
    »Oh, nicht das allein, solche Kleinigkeit - aber auch keine Dächer
vielleicht. -«
    »Oder gläserne,« sagte ich.
    Das gefiel ihr. Sie nickte, immer mit demselben entzückten Gesicht. »Dann
wäre es so gut wie keine! Und die Menschen immer unter dem Einfluss des großen
Anblicks - oh wie schade! wie schade!«
    »Wann hatten wir denn dieses wundervolle dritte Auge?« sagte ich belustigt.
    Sie seufzte: »Als wir Eidechsen waren, sagte der Professor.«
    »Ja, das ist natürlich schon ziemlich lange her.«
    Sie sah mich an und errötete langsam.
    »Ich bin so unwissend in dieser Richtung, und da war es mir nun heut in
diesem Kolleg, als würde vor mir eine Tür aufgerissen - weit - weit! Alles was
so fest, so selbstverständlich, so natürlich scheint - ist also gar nicht fest
und selbstverständlich und natürlich. Ist das nicht merkwürdig wundervoll? Wir
hätten drei ausgebildete Augen haben können, und dieses dritte hätte vielleicht
eine Sphäre umfasst, die uns nun ewig zugeschlossen ist, und sehen Sie, grade an
der Erkenntnis dieser Sphäre hätte vielleicht das Glück der Menschheit
gehangen.«
    »Das wir nun nicht haben,« fiel ich noch immer halb scherzend ein.
    »Das wir nun nicht haben,« wiederholte sie leise in ernstem Ton. Auch ihr
Gesicht war ganz ernst umschattet.
    »Glauben Sie übrigens, das Glück der Menschheit hänge an einer Erkenntnis?«
fragte ich zweifelnd.
    Sie sah mich schnell an.
    »Ja, ich glaube, dass wir vernunftbegabte Geschöpfe sind und nicht als Tiere
glücklich sein können,« und sie lächelte zuversichtlich, stolz.
    Ich beobachtete ihren
