 die prompte Leistung. »Glatte
Arbeit«, rühmte Leutolf. Man lud die Herrlishofer herbei und empfing sie mit
erhobenem Glase unter kordialen Lobpreisungen. »Musik!« heischte der
Wachtmeister, »aber etwas, das Feuer und Pulver hat, nicht solch eine
erbärmliche, lahme, kopfhängerische Jeremiade!« Da setzte ein lustiger Galopp
ein, Leib und Seele elektrisierend, so dass die Lebenslust aus allen Poren
prickelte.
    Konrad hatte sich verspätet aus den fernen Abgründen seiner düstern Gedanken
zurückgeholt. Als sein Geist wieder in der Wirklichkeit eintraf, fand er sich
untätig dastehend, die Sache erledigt. Dagegen gewahrte er jetzt die Verwüstung
und überschlug ingrimmig den Schaden. Ein nicht eben beträchtlicher, aber
unverschmerzlicher Teil der Obsternte war dahin, einige Prachtbäume zu Krüppeln
verunstaltet, ein edler Pfirsichsprössling unheilbar verwundet. Nicht der
rechnungsmässige Sachverlust war es, was ihn am meisten wurmte, sondern die
Beeinträchtigung des wonnigen Anblicks, die Verletzung der vielen, zarten,
feinfühligen Pflanzengefüge, die böswillige Vernichtung des Segens, den die
Natur einem zum Lohne für geduldige, sorgsame Pflege zugedacht hatte.
    Während sein Zorn Stufe für Stufe emporstieg, ohne noch völlig den
Höhengleichwert des verübten Frevels erreicht zu haben, kam nachträglich noch
ein Stein geflogen, hierauf nach einer Pause ein zweiter und später ein dritter.
Jeder zeichnete ungefähr die nämliche Flugbahn, so dass augenscheinlich ein
einzelner Schütze irgendwoher aus einem entlegenen Versteck zielte, wo er sich
für geborgen hielt.
    Und er selber, Konrad, schien das Ziel vorzustellen, der gesondert am Rande
der Mauer sich bewegte, denn wohin er auch treten mochte, so hatte er immer die
Fluglinie in derselben Verkürzung vor sich, obschon das Geschoss bedeutend
unterhalb seines Standortes in den Rasen aufschlug: offenbar mangelte dem
Schützen jegliche Kraft, aus dem unsicheren Pendeln der Kiesel zu schließen.
    Geraume Zeit wollte ihm nicht gelingen, den Urheber zu erspüren,
hauptsächlich weil der glänzende Abendschein sein Auge blendete. Überhaupt, man
meinte, es wäre noch Tag, und es war doch nicht mehr das ganze Licht. Die
Niederung hatte sich schon getrübt; die Gruppen der Dinge vereinigten sich zur
Masse, welche einen gemeinschaftlichen scharfen Linienriss zeichnete; um die
Dächer wisperte eine verfrühte Fledermaus.
    Endlich hatte er ihn doch, und zwar nicht unter sich, sondern seitwärts,
hinter der Kirschenallee, bei des Schreiners Hansjörgens Scheune, unter den
Nussbäumen. Wenn man ihn fassen wollte, so war die einzige Möglichkeit, ihn von
hinten zu nehmen, vom Ackerfeld her, um ihm die Fluchtlinie abzuschneiden.
Allein lohnte sichs überhaupt? Eigentlich ja schon; lohnt es sich doch immer,
einen Übeltäter abzustrafen; aber seine Glieder waren, offen gestanden, ein
wenig tatenmüde, und seine Seele zog ihn nach einer anderen Richtung, nach einem
