, Manoel Texeira
sei mit zehn Ältesten nach Smyrna gepilgert und habe sich dem Messias zu Füßen
geworfen. Ein gewisser Nathan Ghazati war von Sabbatai zum König von
Griechenland und Elisa Levi, ein Bettler, zum Kaiser von Afrika bestimmt worden.
Die Palästiner, die durch Jakob Zemach eine Huldigung an den neuen König der
Juden abgeschickt hatten, schmückten ihren Tempel und zogen psalmensingend und
blumenstreuend durch die Städte, als ob Davids Zeiten sich erneuert hätten. Der
berühmte Sabbatai Raphael in Polen und Matatia Bloch seien vom heiligen Geist
erfasst, so dass sie wahrsagten auf offenem Markt in Warschau und in Torn.
    So kommt der Föhn im Frühjahr über das deutsche Hochland wie all diese
Botschaften nach Fürt. Selbst die Christen wurden miterregt von der Wucht der
fremdartigen Ereignisse. Ein Taumel ging durch Europa; die alte Welt schien
aufzuwachen aus einem Schlaf. Der Bedrücker fürchtete den Bedrückten, der Knecht
träumte von Freiheit. Kein Tag verging, an dem nicht Kunde von Ausserordentlichem
eintraf, wäre es nur auch ein geheimnisvolles, deutungsreiches Wort des Messias
gewesen. Er steht auf einer Terrasse am Meer, streckt seine Hand aus und
spricht: Seht, ich gebe euch heute das Leben und den Tod. So wurde von
wandernden Juden berichtet. Sendschreiben liefen durch die Städte; wunderliche
Dinge lagen in der Luft.
    Maier Knöcker, der Nathan, der das unerwartete Glück, dessen er teilhaftig
geworden, voll Entzücken weitergetragen hatte, traf zuerst auf Misstrauen, dann
auf Verwunderung, dann auf blinden Glauben. Er fand einen begeisterten Apostel
in Boruchs Klöss und dieser beredsame Mann erwies sich in der Tat als der beste
Anwalt einer so begnadeten Sache. Die Ältesten der Gemeinde kamen zu Rahel, um
sie durch Gebete heilig zu sprechen. Am gleichen Abend wurde ein großes Festmahl
unter dem Vorsitz des Ober-Rabbis abgehalten, und das Haus des Stammlers wurde
als eine fromme Zuflucht erklärt. Aber Rahel selbst blieb finster und
verschlossen. Sie wich jedermann aus und hatte es verlernt, Vater und Mutter
gerade ins Gesicht zu sehen. Wenn einer länger mit ihr redete, begann sie zu
zittern. Ihre Hände waren feucht, ihre Lippen trocken und aufgesprungen, ihre
Augen gerötet. Sie konnte in keiner Nacht mehr schlafen; die Finsternis nahm
eine purpurne Färbung an, so dass es wie ein Vorhang vor ihren Blicken lag,
undurchdringlich und beängstigend. Oft bevor noch der Tag anbrach, erhob sie
sich vom Lager und schleppte sich hinauf in die Bodenkammer, um an irgend einer
Luke zu kauern und starren Blickes stundenlang zu brüten. Sie freute sich, wenn
sie fror; sie wünschte zu frieren, wünschte zu leiden, ein äußerer Schmerz
verlieh dem inneren Milderung. Am Sabbat nach der Schul kamen die Weiber zu ihr;
aber sie war
