 dann das einzig Wünschens- und
Ersehnenswerte, und wenn es zu Hause kalt ist, träumt man von einem offenen
Kaminfeuer mit fallenden Glutkohlen, so wie man sonst die Gedanken in alle
Tiefen der Metaphysik sandte.
    Er war verlassen, und er überredete sich, dass er in seiner Verlassenheit
glücklich sei. Eine befremdliche Ruhelosigkeit war über ihn gekommen, die ihn
von Rast zu Rast und von Arbeit zu Arbeit trieb; aber die Rast war ohne Frieden
und die Arbeit ohne Frucht. Die Häuser, die eingefrorenen Parkanlagen vor seinem
Haus, die vorbeisausenden Züge der Eisenbahn, Menschen, Hunde und Steine, alles
hatte sich verändert, hatte in seinen Augen etwas Flüssiges erhalten und schien
durch die unlösbare Kette der Teilnahmlosigkeit, die alles und alle umfangen
hielt, verächtlich. Ost wenn der Sturm bei Nacht um die Mauern fuhr, dass es
schien, als koche die Atmosphäre, kam sich Bojesen als ein unermesslich einsames
Wesen vor im weiten Universum, das sich im Zustand des Wartens befand auf irgend
einen magischen Befehl jener Dame, die die Lebensfäden so kühn und unberechenbar
ineinanderstickt. Wie leer erfand sich schließlich die Wissenschaft vor seinem
Nachdenken. Selbst die Lampe auf seinem Tisch, die Stühle, die Bücher im Regal,
- sie hatten etwas Wesenloses für ihn.
    Um Geld zu verdienen, suchte er Stunden zu geben. Es gelang ihm, die zwei
Söhne des Witwers Samuel Binsheim zum Privatunterricht zu bekommen. Dieser Herr
Binsheim setzte einen eigenen Ehrgeiz darein, mit Bojesen gelehrte Gespräche zu
führen. Er übersiel ihn also oft auf der Straße und versicherte ihm stets von
neuem, dass er ein Materialist sei, ein Freidenker, Freigeist, ein Ateist und
machte ihn mit seinem Plan bekannt, einen Ateistenverein zu gründen. Er sah
darin die höchste Vollkommenheit des Geistes; jeder Ateist war im Voraus sein
Freund, er suchte Disziplin in die Ateisten zu bringen und wollte sie
organisieren.
    Herr Binsheim war es auch, der ihm erzählte, Stefan Gudstikker habe ein Buch
veröffentlicht, worin die Leiden eines tragisch endenden Schulknaben so
meisterhaft geschildert seien, dass das Werk in kurzer Zeit das größte Aufsehen
erregt habe. Bojesen bat Herrn Binsheim um das Buch, doch als er es lesen
wollte, fand sich, dass Herr Binsheim die Blattränder dazu benutzt hatte, um
seine Feder in kritischen Anmerkungen schwelgen zu lassen. Daher konnte sich
Bojesen lange Zeit nicht zur Lektüre entschließen, denn ihm war, als solle er
sich in ein Bett legen, das noch warm war vom Schlaf eines Fremden. Schließlich
las er es doch und fand viel Gewandtheit der Darstellung in dem Buch, viele
blendende Einzelheiten; er fand viel Wollen, das nicht zur Kraft entwickelt war
und jenes wunderbare Spiel mit Natürlichkeit, jene leicht überspannte Romantik
der Gefühle
