
durften sich Haurans Priester noch anders schützen als jetzt. Wie der römische
Chalif Karacalla nach Hauran wollte, haben ihn Haurans Priester in der Wüste
ermordet. Heute dürfen Haurans Priester nicht mehr morden - vergesst das nicht!
In Bagdad ist man misstrauisch. Hütet Euch drum vor neuen Freunden! Hütet Euch
vor den lauteren Brüdern! Der Dichter Safur weilt in Ägypten. Er gehört auch zu
den lauteren Brüdern. Warnt die Ägypter! Warnt die Ägypter! Safur ist neugierig
und schwatzt gern.
    Mit den glühenden Küssen der Freundschaft
                                                             Tabit ibn Quorrah.
Die sieben Priester der Ssabier sind bestürzt - Tschirsabâl besonders.
    Man spricht aber nicht weiter über den Brief, sondern sendet Boten nach
Ägypten, die den Safur suchen und beobachten sollen.
    Und dann gehen die Priester wieder an ihre Arbeit - sie bereiten ein großes
Fest vor, bei dem im Tempel ein Schauspiel vorgeführt werden soll - eins mit
Falltüren, verdeckten Lichtern und verdeckten Spiegeln - mit Geistern und
Wundertaten - mit Tod und Schrecken - mit Donner und Blitz.
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    Der Dichter Safur klettert während dieser Zeit auf eine große ägyptische
Pyramide, die nicht weitab von Kairo wie eine Riesenburg daliegt, von deren
Spitze aus Safur in die große afrikanische Wüste hineinschauen kann.
    Safur hat toll gelebt und alles Mögliche mitgemacht.
    Er genoss das Leben in vollen Zügen - aber nicht so wie Kodama - anders - mit
der steten Sucht, den einzelnen Genuss zu verfeinern.
    Er betete mit schwärmerischen ägyptischen Heiden die Engel an, die in den
Pyramiden wohnen sollten.
    Nachts wurden die Engel angebetet.
    Er lebte mit diesen Ägyptern fast immer zusammen, denn er wollte von ihnen
wissen, ob er nicht mal die Engel der Pyramiden mit eigenen Augen schauen könnte
- so wie man seine Mitmenschen mit eigenen Augen schaut.
    Er unterhielt sich mit den Ägyptern nur von der Geisterwelt.
    Und die Ägypter machten dem Dichter klar, dass die Geister nur in den uralten
Denkmälern der Vorzeit hausen könnten - in den alten großen Pyramiden.
    »Einen Geist«, sagten die Ägypter, »kannst Du allerdings mit eigenen Augen
schauen - der Geist ist aber versteinert - die große Sphinx - die kannst Du
schauen, mit Deinen Augen anbeten.«
    Und mit weisen Ägyptern und mit vielem Volk geht Safur in einer Mondnacht
hinaus zur Sphinx und betet die Sphinx an.
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    Die Andächtigen liegen vor der großen Sphinx auf den Knieen.
    Fackeln und Lagerfeuer flackern ringsum zum Himmel auf.
    Safur genießt den großen Augenblick in tollster Verzückung, er
