 ewiges Sterben«, meint der Sufy, »geht durch die Natur. Der Tod ist
überall da. Und man wird nur geboren, um qualvoll leidend den Tod zu finden -
man stirbt eigentlich vom ersten Augenblick seiner Geburt an. Deshalb sollen wir
keine Kinder zeugen, die Frauen nie berühren. Das Heiligste, was wir tun können,
ist das, was die Menschen, dies nicht kennen, das Unnatürliche nennen - während
dieses Unnatürliche doch grade den feiner entwickelten Menschen als Pflicht von
der leidenden Natur auferlegt wird. Hier hast Du den Kernpunkt aller Religionen.
Erinnre Dich nur an die Ssabier!«
    Battany hört nicht hin.
    Er ist berauscht von den Bajaderen, die verwirren ihn.
    Und in ganz außerordentlicher Erregung wandelt er, nachdem der Tanz vorüber,
mit den andern Gästen des indischen Nabobs zu dem Schauspielhause, in dem ein
Schauspiel von dem fein gekleideten Inder aufgeführt wird, der so fein von der
Empfindlichkeit und der Qual aller Gebildeten zu sprechen wusste - und den
Battany auch nicht verstand ...
    Den Gästen wird mit Riesenfächern kühle Luft zugewedelt.
    Ein Festzug bewegt sich zum Schauspielhause hin - prächtige dicke Elephanten
schreiten würdevoll voran.
    Und die goldenen und silbernen Gewänder der Inder glitzern im Fackelschein.
    Die Waffen der Araber glitzern ebenfalls.
    Ein fürstlicher Kleiderprunk macht sich protzig breit.
    Die Blumenmädchen leuchten mit ihren Fackeln.
    Die Sängerinnen singen.
    Der Vollmond steht am Himmel in trüben Dunstwolken dicht über Benares, in
dem die Pest wütet, der stündlich Hunderte von Menschen zum Opfer fallen.
    Der heilige Ganges fließt langsam und träge auch an den Gärten des großen
Nabobs vorbei, in dessen Reich die Pest nicht eindringt.
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    Kodama jedoch - der sitzt in Mekka und freut sich anders seines Lebens als
der Battany.
    Kodama isst Mekkas beste Rindskeulen auf und trinkt roten Wein dazu -
eimerweise.
    Dem dicken Geographen ist in Mekka so recht behaglich zu Mute. In jedem
Weinkeller ist der Dicke Stammgast.
    Und es gibt sehr viele Weinkeller in Mekka.
    Die christlichen und jüdischen Weinwirte sprechen von Kodama mit einer
Hochachtung - fast mit derselben, mit der Battany vom griechischen Dionysos
spricht.
    Der gemütliche Dicke geht auch gern auf Abenteuer aus - denn den ganzen Tag
und die ganze Nacht nichts Anderes tun als Trinken, Schlafen und Essen - das
geht ja nicht.
    Und wenn der große Herr aus Bagdad mit den schönen schwarzen Pluderhosen,
mit dem kurzen Sammetrock und dem gelben Turban - mit seinem ganzen schweren
Leibe und mit dem glänzenden braunen Mondgesicht auf Abenteuer ausgehen will, so
wendet er sich zunächst in die große Moschee, in der einst der Prophet so gern
zu
