 ein ganz
vergnügtes Gesicht - zu verlieren war ja bei dieser gelehrten Gesellschaft
eigentlich garnichts.
    Ja - Osman und Abu Hischam lagen sich sogar sehr bald brüderlich in den
Armen und schwuren sich ewige Treue.
    Abu Hischam hatte allen Grund, mehr zu trinken als je - was er denn auch
sehr gründlich besorgte.
    Als der Vollmond über dem Tigris aufging, lag der große Philosoph Abu
Hischam, der große Gründer des Bundes der lauteren Brüder - wie ein Brett im
Grase - und trank nicht mehr - da er fest - sehr fest - schlief.
    Safur aber schlief nicht - der plauderte mit den Eremiten über die Freuden
des einsamen Lebens - und ihn überkams.
    Er wollte auch Eremit werden - er beneidete bereits seine neuen Freunde.
    Als er hörte, wie einfach die Mahlzeiten der Eremiten gewöhnlich zu sein
pflegten, verzogen sich allerdings seine Gesichtszüge und bekamen einen
verdrossenen Ausdruck.
    Nein - so weit war Safur noch nicht, dass er um des einsamen Lebens willen
auf ein verständiges Essen und Trinken hätte verzichten wollen - aber vielleicht
ließ sich Beides vereinen.
    Und über dieses »Vereinen« dachte Safur sehr angestrengt nach.
    So schmutzig und zerrissen - wie die anderen Eremiten - wollte Safur auch
nicht herumgehen.
    So weit war er noch nicht, dass er sich um des einsamen Lebens willen im
Schmutz und Unrat hätte herumsielen wollen.
    Auch der Gedanke an das viele Ungeziefer der alten Einsiedler ward dem im
Äußeren sehr peinlichen Dichter - ein bisschen ekelhaft - eigentlich grässlich.
    Nein - Ungeziefer mochte er nicht.
    Da stieß ihm wieder die Tarub in die Seite - nicht derb - aber vernehmlich.
    Sie wollte ihn sprechen - allein.
    Und er entschuldigte sich bei den Einsiedlern, empfahl ihnen, sich neuen
Kufa-Wein zu holen - und - und folgte der Tarub - recht unlustig.
    Hinter blühendem Oleander ward die Tarub zu ihrem Dichter zärtlich.
    Der benahm sich jedoch anders als sonst - ganz anders.
    
    Und - und - wies immer zu sein pflegt - die Sprödigkeit reizte nur - stieß
durchaus nicht ab.
    Bagdads berühmte Köchin bat ihren berühmten Dichter fussfällig um Verzeihung
- sie flehte ihn an - weinte dabei.
    Was die Tarub nie getan - das tat sie jetzt - sie bettelte um seine Liebe -
und erzwang sie sich schließlich - nicht grade gewaltsam - aber so ähnlich.
    Safurn überliefs wie kaltes Wasser.
    Er musste an Saids Mehlsäcke denken, die einst in Tarubs Küche einen so
drolligen Reiz in ihm erweckt ...
    Der Vollmond schien seiner Tarub hell ins Gesicht.
    Die Oleanderbäume dufteten.
    Man hörte dann Stimmen in der Nähe.
    Und die Tarub eilte hurtig davon.
    Und dem Safur war so zu Mute - wie einem Weibe zu Mute ist, dem ein Fremder
Gewalt antat.
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