 allein -
Morgen muss es anders sein.«
Alle lauschten - die Strophen klangen weich und voll durch die Nacht.
    Die Fackeln flammten unheimlich in den Sternenhimmel hinauf.
    Unten flüsterten die Mongolen - oh - die kannten die Sareppa.
    Die Abla hatte nicht so gesungen, wie man die Sareppa-Strophen in den
Schenken zu singen pflegt - Manches hatte so schwermütig geklungen.
    Im Empfangssaal hätten die Männer beinah das Trinken vergessen ...
    Doch die Menschen werden so anders, wenn sie beim Trinken sind.
    Jakuby wackelt immer mit dem Kopf und mit seinem lila Turban - redet
fortwährend zu Osman von Byzanz und von Damaskus, setzt dem dicken Schreiber
auseinander, dass er in diesen beiden Städten jede einzelne Sängerin gehört habe.
Osman will das garnicht glauben.
    Battany ist zur Sailóndula sehr höflich, ist entzückt von ihren kleinen
Füßen, ihren Veilchen und ihren Augen - nur ihr weingrünes Gewand will ihm nicht
gefallen.
    Kodama streichelt der Tarub die braunen Wangen und raubt ihr eine dunkelrote
Rose.
    Suleiman sitzt auf dem großen Teppich, trinkt und lacht, wundert sich, dass
die Andern nicht auch sitzen und lachen. Die Andern lächeln nur.
    Abu Hischam und Safur stehen auf dem fünfeckigen Altan und reden mit einem
fürchterlichen Eifer über die Welt und über den Genuss. Die Schwarzen mit den
Fackeln staunen.
    Kodama singt:
»Schenk mir Dein Ross -
Und schenke mir Rosen!«
Und der Dicke trinkt mit der Tarub - er ist schon recht heiter.
    Sailóndula schaut zuweilen scheu zu dem indischen Götzenbild hinüber.
    In Battanys Arbeitszimmer flöten die Flötenspieler - sie haben auch Wein zu
trinken bekommen.
    Abu Hischam sagt:
    »Lieber Safur, wir täuschen uns ja so oft. Wenn wir träumen, denken wir doch
immer - wir wachen. Müssen wir deswegen nicht auch in unseren wachen
Augenblicken - an unserm Wachsein zweifeln? Wenn wir aber erst zweifeln, dass
dieser Altan ein Altan ist, so wird uns doch der Boden unter den Füßen
fortgezogen - dann schwankt alles - ja, Safur, dann schwankt Alles!«
    Und der Philosoph schwankte wirklich, worüber Safur sehr lachen musste.
    Sie tranken wieder - Saids Diener schenkten diensteifrig immer von Neuem die
großen Becher voll - der erste Weinschlauch lag schon schlaff hinter dem
kupfernen Himmelsglobus.
    Abu Hischam spricht weiter:
    »Ja, Safur, Du hältst Dich für einen großen Schlaukopf. Du willst immer mit
Deinen Sinnen genießen - ei, wenn Deine Sinne garnicht da sind - was dann? Das
Zweifeln musst Du lernen, das Zweifeln hast Du noch nicht raus. Leben heißt
zweifeln. Genießen heißt auch nur zweifeln. Immer schwanken muss man. Die großen
Weisen schwanken und zweifeln immer. Trotzdem kann man ganz vernünftig sein -
man braucht deswegen nicht zum
