
    »Sollst doch nicht so die Stirn krausen!« ruft sie noch, als sie schon
beinahe draußen ist, ihrem Dichter freundlich zu.
    Der Safur nickt und befühlt mit seinen reinen Händen die fein getriebene
Arbeit des großen kupfernen Eiskübels, in dem künstlich Eis erzeugt wird.
    Er denkt - spricht dabei zuweilen ganz laut:
    »Wie seltsam alle diese Küchengeräte auf mich einwirken. Ich erinnere mich
heute fast an meine halbe Vergangenheit. Als Tarub Kopfschmerzen hatte und ich
ihr Eisumschläge machte, da war sie so dankbar - so weich und zärtlich. Dieses
Aufbrausen berührt mich so entsetzlich roh. - - - Aber die Erinnerung verschärft
doch die Genüsse. Wenn ich aus einem alten, mir vertrauten Kochtopf esse - so
empfinde ich die früher genossenen Speisen noch einmal auf der Zunge - nur so
halb - aber sie würzen doch das neue Gericht. Mit solcher Wiederholung eines
Genusses kann man wohl eine sehr verfeinerte, verschärfte Empfindung erzielen
... Wenn man nur alle Arten der Genussverschärfung genauer kennen würde!
...Verschärfen lässt sich ein Genuss, aber nicht verlängern - das ist wichtig ...
Zum Beispiel: eine Liebesstimmung soll man auch nicht länger machen wollen - als
sie ist - sie ist auch kein Gummiband ... Jedenfalls ist mir nun das Eine klar:
man muss in jedem Augenblick einen neuen Genuss oder einen verschärften Genuss zu
empfinden trachten - man darf nicht kleben bleiben an der einzelnen
Lustempfindung. Der verschärfte Genuss ist nur eine besondere Art von den neuen
Genüssen ... die Erinnerung spielt hier die Rolle eines feinen Gewürzes. - - -
Und dann darf man nie vergessen, dass man einen andauernden Glückszustand nicht
in sich erzeugen kann. Man muss immer im Auge behalten, dass der einzelne Genuss
nicht allzu lange geniessbar ist - man darf sich daher nicht bloß einer besondren
Gattung von Genüssen zuwenden - man muss alle - alle - alle Genüsse durchkosten
wollen - immer wieder andre - immer wieder neue feine vergeistigte Gefühle - aus
dem trockenen Brot muss man ebensoviel Genusserreger rausziehen können - wie aus
der rasendsten tollsten glühendsten Liebesleidenschaft. Das höchste Lebensglück
besteht in dem Leben, das da aufweisen kann: die größte Zahl von glücklichen
Augenblicken - die man nicht verlängern soll - die man auch nicht verlängern
kann - die man nur zuweilen durch Erinnerungen und lustige Verse verschärfen
darf. Verlieben darf man sich nicht in die einzelnen Genüsse - kleben bleiben
darf man nicht an den einzelnen Augenblicken. Man muss ohne Schmerz
weiterspringen - wenn die eine Wiese ein bisschen abgegrast ist. Nur nicht
traurig werden! Mit geballten Fäusten oder anders will ich unermüdlich danach
streben, die größte Zahl fein verzückter Augenblicke zu durchkosten. Ich will
der glücklichste Mensch sein. Nichts soll mir zu klein und nichts zu
