 unter betäubendem Lärm
dahin. Das Volk jubelte wie rasend dem freigebigen Prinzen zu. Es wurde beim
Herumschwirren der Goldstücke gejohlt und gelacht - als hätte sich der blaue
Himmel aufgetan, wie wenn sich die Huris aus dem Paradiese zur Erde
niederbeugten.
    Jetzt ist es Nacht, und die Araber freuen sich über das blanke Gold. Sie
werfen jetzt die Münzen ebenso verschwenderisch wie die Prinzen auf die Straße.
Die guten Araber geben das gute Gold den dicken Weinhändlern, guten Freunden und
lustig lachenden Mädchen. dabei fällt ihnen aber der grüne Schimmel öfters
wieder ein - und über den freuen sich Alle schließlich noch viel mehr als über
das Gold.
    Der Prinz Ali ist ein guter Mensch, aber die Bürger Bagdads lachen ihn doch
von ganzem Herzen aus. Und wenn er noch viel viel besser wäre, sie würden ihn
trotzdem auslachen. In dieser Nacht tragen die reichen Jünglinge Bagdads ihre
Säbel an grünen Schärpen, um das Volk an Ali zu erinnern. Das Volk versteht den
Scherz und lacht darüber immer wieder von Neuem - immer wieder von Neuem.
    Ausgelassene Spottlieder, wüste Zechgesänge, mekkanische und persische
Liebesweisentolle wilde Jubelstürme brausen und wogen durch die Straßen und
Gassen der herrlichen Chalifenstadt. In allen Weinkneipen, in den Buden, in
denen getanzt wird, in den Häusern, in denen reizende Sängerinnen mit feiner
Kunst zu singen verstehen - überall wird geprasst und gezecht.
    Eine sehr lustige Nacht!
    Abseits in einem kleinen Gässchen steht vor seiner Haustür ein christlicher
Weinhändler mit einem alten Parsenpriester im Gespräch. Sie schütteln sich beide
Hände zum Abschied. Doch der Wirt redet noch immer, obgleich der Priester Eile
zu haben scheint. Der christliche Wirt sagt:
    »Bedenkt nur das Eine! 892 Jahre, man schreibe und sage:
achtundertundzweiundneunzig Jahre - die sind nun schon vergangen, seit Christus
geboren ward, und seine Lehren sind hier noch immer verachtet. Man lässt wohl uns
Christen in Ruh, lässt uns auch unsern Glauben - aber das beweist doch nur, dass
sich diese Araber garnicht um religiöse Dinge kümmern, ihnen ist die Religion
überhaupt ganz gleichgültig - selbst ihre eigene. In Bagdad gibt es gar keine
Religion mehr.«
    Der Christ schüttelt traurig den Kopf.
    Der Parse versetzt aber hastig:
    »Verzeiht! Ihr übertreibt! In nächster Woche hol ich Euch ab. Die Parsen -
die sollt Ihr kennenlernen - die haben noch Religion.«
    Der Parse entfernt sich schnell, als wenn er wirklich Eile hat.
    Währenddem hört man auch hier wieder heisre Zecherstimmen erschallen. Im
Keller des Weinhändlers ruft man laut und herrisch nach dem christlichen Wein.
Indes - der Wirt zögert noch; auf der andren Seite der Gasse sieht er zwei
bekannte Dichter vorüberwandeln, die grüßt er erst noch - recht freundlich. Dann
