 dann gewöhnlich der Philosoph den Safur, ob der ihm nicht sagen
könne, wie indische Pfauenpastete schmecke - er, als Feinschmecker, müsse das
doch wissen.
    So wird Safur, der Feinschmecker, zur Zielscheibe des Spottes -
    Der Dichter ärgert sich drüber - nicht bloß, weil er seiner Armut wegen
verspottet wird - sondern weil er an die Zeiten, in denen er sich als
»Feinschmecker« wohlfühlte, nicht gern erinnert sein mag.
    Das Feinschmeckertum kommt ihm jetzt so schrecklich roh und dumm vor - er
ist ja schon an ganz andre Genüsse gewöhnt - er verkehrt mit Geistern, mit Wesen
aus einer anderen Welt; und dieser Verkehr ist denn doch für ihn so genussreich,
dass dagegen alle Pasteten und alle Weine der Erde nichts sind.
    Der Besuch der drei Brüder ist dem Dichter recht lästig. Nachts, wenn die
Sterne glitzern und funkeln, stiehlt er sich oft heimlich aus der Kate fort und
fährt mit seinem Nachen auf den Strom hinaus.
    Und in der Dunkelheit auf den plätschernden Wellen des Tigris sieht der
Dichter wunderliche feine Gestalten vorüberschweben - und er hört Stimmen -
laute und leise - die locken und rufen - die Möven krächzen dazu - die Wellen
des Tigris plätschern und gurgeln - es ist so Vieles zu hören!
 
                           Einundzwanzigstes Kapitel
Und eines Morgens kommt langsam Battanys lange Barke den Tigris hinauf und
landet ebenfalls in der Nähe der Lehmkate.
    Osman, Kodama, Abu Maschar und der alte Jakuby - entsteigen - der langen
Barke.
    Tarub freut sich natürlich schrecklich über den neuen Besuch - Safur
schneidet ein sauer und süßes Gesicht - das hilft ihm aber nicht.
    Er hat nun sieben lautere Brüder als Gäste in seinem Hause - die vier
zuletzt angekommenen bringen so viel zu essen und zu trinken mit, dass sich die
Tarub garnicht zu lassen weiß vor Aufregung und Freude.
    Osman hat auch ein paar chinesische seidene Fenstervorhänge mitgebracht, die
ganz mit bunten Blumen und noch bunteren Vögeln bestickt sind.
    Die Tarub hatte nämlich dem Kodama über die eisernen Kraten vor den Fenstern
geklagt, hatte ihm gesagt, dass die Kraten, die der wilden Tiere wegen notwendig
waren, in ihr stets ein unbehagliches Gefühl aufkommen ließ - als wenn sie
sich im Gefängnis befände.
    Daher - Osmans seidene Vorhänge!
    Osman ist immer schrecklich aufmerksam.
    Tarub freut sich - wien Kind.
    Und der alte Jakuby hat fünf eiserne Flammenschalen mitgebracht - nebst fünf
eisernen Dreifüssen - der alte Geograph ist der Meinung, dass man nur bei der
richtigen Beleuchtung gemütliche Feste feiern kann - welcher Meinung Alle
bereitwilligst beipflichten.
    Die Stimmung ist bald eine recht gehobene.
    Und abends steht der Vollmond über dem Tigris und glänzt - glänzt festlich.
    Vor der Lehmkate flackern fünf mächtige Flammen.
    Safur und Tarub sitzen vor ihrer Tür auf dem viereckigen
