 er sich sofort in gewagten
Behauptungen verhaspelt und immer kühner wird - statt sanfter.
    »Sieh«, sagt er, »es liegt mir nicht bloß daran, alles das zu genießen, was
das einfache Volk auch genießen kann. Früher suchte ich meine Zunge und meine
Fingerspitzen auszubilden und glaubte damit was Besondres zu tun. Heute will ich
viel mehr. Ich will das Unsinnige, das Tolle, das Unverständliche, das
Unbegreifliche, das Übersinnliche, - genießen. Versteh mich recht: ich will
nicht bloß all das verstehen - das Verstehen scheint mir nicht so wichtig -
genießen will ich das alles. Ich will in die Welt der Geister dringen, und ich
will genießen, was nur die Geister genießen können.«
    Der Inder meint, dass das sehr schwer sei und die Ausbildung ganz besondrer
Nervenkräfte verlange. Er glaube auch, dass derartige Anstrengungen den Körper
und den Geist zerrütten müssen.
    Aber da lässt sich der Araber nicht bange machen - weist allerdings die
Anstrengungen vornehm ab - anstrengen will er sich durchaus nicht.
    Das findet nun der Inder wieder sehr drollig. Lächelnd - etwas sehr
überlegen - erwidert er folgendermaßen:
    »Die Araber sind doch sehr merkwürdig. Sie kommen aus ihrer Wüste mit ihren
Schwertern und Lanzen wie ein Heuschreckenschwarm heraus und bilden sich ein,
dass sie alles gleich mit Beschlag belegen können - nur weil sie kräftige Arm -
und Beinmuskeln besitzen. Ihr wollt überall nur genießen - Alles - Alles! Ihr
wollt nicht bloß essen und trinken, ihr wollt auch gleich alle Religionen
genießen, auch alle Künste - selbst das Unverständliche und das Unverständige.
Ihr traut doch Eurem guten Magen ein bisschen zuviel zu. Lieber Safur, von Dir
hat mir Battany viel erzählt. Du bist ohne Frage ein sehr gebildeter Mensch -
gereizter denn Viele. Dass Du aber jeder Anstrengung, jeder Müh und Arbeit streng
aus dem Wege gehen willst - das wird Dein Untergang - Du müsstest in großen und
langen Gedichten Deine Gereiztheit zu lösen trachten - das tust Du natürlich
nicht - Du bist ja ein viel zu vornehmer Araber, der nur genießen will, der nur
den Genuss für berechtigt hält - - - als wenn der Genuss einem Dichter wie eine
reife Frucht in den Schoss fiele.«
    Der Inder muss herzhaft lachen.
    Er spricht noch in lässigem Tone über religiöse Übungen, Fasten, Rosenkranz,
Selbstgeisselung, Gebet und geschlechtliche Enthaltsamkeit - wird dann aber
schweigsam, da Safur verächtlich die Mundwinkel runterzieht. -
    Die Beiden können sich nicht mehr verständigen. Safurn kommts so vor, als
wär er bei Osman, der immerfort das Dschinnengedicht von ihm verlangt - und er
empfindet eine heftige Abneigung gegen den indischen Dichter. Es trennen sich
die Beiden, wie Battany naht, noch viel frostiger,
