 Dich. So gehts
allen denen, die mehr sind oder mehr sein wollen als das einfache Volk. Und so
kams, dass Du Dir in Deinem Gehirn ein Idol schufest, das Du lieben und anbeten
wolltest. Und diesem Idol rennst Du nun im wirklichen Leben nach. Du bist auf
der Jagd nach dem Idol. Das schadet nichts, wenn Du stets im Auge behältst, dass
dieses Idol für Dich unerreichbar bleiben muss. Jeder feinere Kopf befindet sich
sein ganzes Leben hindurch auf der Jagd nach dem Idol - die Jagd ist was ganz
Gewöhnliches. Dieselbe ist auch nicht schädlich, wenn man ihre Nutzlosigkeit
einsieht. Du strebst nach dem Unerreichbaren, wie Du sagst, überall. Ja, ich
verstehe, Du hast eben viele Idole. Die einfachen Menschen finden ihre Idole
verkörpert hier auf der Erde vor, die feineren Menschen finden ihre Idole nicht
auf der Erde verkörpert vor - die sind ja dort - hinter den Sternen. Darum ist
es nur natürlich, dass Du in jene Welt hinein möchtest. Ich möchte das auch,
daher bin ich Sterndeuter und Prophet. Battany und viele Andre lachen, dass ich
mich mit so abergläubischen Sachen befasse. Aber will Battany nicht auch bloß
wissen, was hinter jener blauen Himmelswand liegt? Und ist etwa die Art, in der
er was Tieferes erfahren will, so sehr viel klüger als die meine? O nein! Wir
unterscheiden uns nur dadurch, dass er stets glaubt, etwas erreichen zu können,
und ich nie glaubte und nie glauben werde, ich könnte je in jene Welt hinein.
Ich rechne nicht, um was zu wissen - sondern ich will mich durch das ewige
Rechnen nur betäuben. Wir bleiben, wie wir sind. Wir werden später auch nicht
mehr wissen, als wir jetzt wissen. Die Welt ist starr und unveränderlich. Es
gibt in der Welt keine wesentliche Weiterentwicklung. Und der Einzelne wird sich
erst recht nicht weiterentwickeln. Ist man ein feiner Mensch, so bleibt man ein
solcher. Ist man einfach, so bleibt man einfach. Geh also nur mit Deiner
übersinnlichen Liebe in die Einsamkeit. Geh nur! Battany wird Dir schon helfen.
Wenn Du aber glaubst. Du könntest in die andere Welt, in die Welt der Geister,
hinein, so wirst Du Dir den Kopf einrennen. Liebe nur Deine Dschinne, aber
verlang nicht von ihr, dass sie Dir körperlich erscheine. Du willst doch nach dem
Unerreichbaren überall streben. Würdest Du also einmal Deine Dschinne umarmen
können wie ein gewöhnliches Erdenweib - so würde Deine Dschinne jeden Reiz durch
die Umarmung verlieren.«
    Und der Prophet lächelt, streichelt mit seinen langen braunen Fingern seinen
langen schwarzen Bart und sieht dem Dichter lange ins Gesicht.
    Wie sich die Beiden
