 ... Bin ich denn ganz
verkommen?... Warum denk ich immer wieder an so was!... Warum denk ich nicht wie
meine vier Eigentlichen? Warum hab ich nicht bloß Verse, Phantasien, Burlesken,
Träume im Kopfe?...
    Es ist schauerlich, wie zerfahren ich bin. Da steckt nun was in mir; ich
hoffe doch, - oder...? Nein, es steckt schon was irgendwo, aber immer wieder
hundsföttische Anwandlungen.
    Zwei Seelen, ach? Aber die andern haben ja zwei Dutzend! Nur fahren sie
nicht so auseinander...
    Ein Ziel! Ein Ziel! Herrgott nochmal, endlich ein Ziel!...
    Also die Zeitschrift! Ja, ja, ja! Ist das nicht eine Tat? He? Die neue
Literatur machen? Die freie Kunst zum ersten Male rücksichtslos proklamieren!
Zum ersten Male sagen: Wir sind die Herren, kuscht euch, Gesindel!...?...
    Äh, im Grunde ist mir das wohl auch nicht grade »Herzblut«... Diese ganze
Schreiberei überhaupt: Geplärr...
    
    Kann man zeitlebens seine Freude daran haben, Lesefrass zu kneten? ... Ist
denn Schreiben Leben? Handlangerei für den besseren Mob! Kellnergewerbe...
    Er lächelte nicht mehr. Eine scharfe, steile Falte teilte seine Stirne.
Seine Heiterkeit war verschwunden.
    So ging es ihm immer, wenn er allein über sich nachdachte. Deshalb brauchte
er Leute um sich, die das wegschwemmten.
    - Kommt denn die Bande nicht?
    Die Dämmerung kroch ins Zimmer, sie, die der »Bärenführer« den »Teppich der
behaglichen Lyriker« nannte. Dazu dröhnten von unten her die Dampframmen.
    - Der Bärenführer ist der glücklichste aller Menschen. Zwar hat er kein
Portemonnaie, aber er hat Weisheit. Zwar liebt er die Weiber nicht, aber er
liebt seinen lieben Gott, der ihm täglich von 10-12 Uhr zwanzig Quartseiten
Phantasien schenkt. Hat er die niedergelegt, und hat ihm sein Kochbär ein
tüchtiges Mittagessen mit Grobheiten gewürzt, so wandert er los wie ein
tanzender Derwisch, und die Welt ist ihm eine Crêmestange mit Kognacfüllung. Er
macht sich selbst zum Narren und lacht doch Alle aus, denn seine Narrheit ist
ihm sein Spiel. Er will nichts; das ist sein Geheimnis und seine Heiterkeit.
    Stilpe dachte das nicht ohne Neid.
    Der »Bärenführer« war der »Erste der Eigentlichen«, ein wunderlicher Mensch,
der mitten in Berlin mit dem Gleichmut eines orientalischen Weisen lebte und,
arm wie ein persischer Bettelmönch, sich mit einer köstlichen Grazie des Geistes
aushalten ließ. Sein Reich war nicht von dieser Welt, aber wer sein Reich
kannte,
