 von
Mantelnäherin.
    Oh ja, es hatte was. Die Armeleutliebe hat ihre Reize wie die
Armeleutmalerei, und ich kam mir vor wie der dicke Kommerzienrat Ratz, der einen
Uhde in seinem Speisezimmer hängen hat. Er vertritt ihm die Stelle des
Tischgebets. Aber ich bin wohl nicht so christlich veranlangt wie der
Kommerzienrat. Ich zog mich wieder in die Nähe des Wintergartens zurück...
    Nein, die Liebe ist es nicht... Zur Liebe bin ich jetzt entschieden zu
ästetisch geworden... Oder zu niederträchtig? Nur keine Gêne, werter Freund!
Den Sport will ich mir wenigstens bewahren, dass ich mich selber beim rechten
Namen nenne.
    Und jetzt will ich zu Emmy gehen, die mich »Kaviarbrödchen« nennt.«
»Ich nähre mich jetzt hauptsächlich von Lyrikern, und was ich dann von mir gebe,
ist das Entzücken meines reizenden Publikums. Nichts erfreut es so von Grund
aus, als wenn man ihm einen gerupften Dichter vorsetzt.
    Es besteht also in dieser deutschen Welt von heute immer noch eine Art Neid
gegen diese Profession?
    Und, wenn ich mir selber auf die Plombe fühle: Beneide ich das Geflügel
nicht auch im Grunde ein bisschen? Zumal die, die sich so verdorben stellen und
so selig in der Einbildung sind, gewaltige und verruchte Sünder zu sein, - sind
sie nicht wirklich beneidenswert? Kerls, die sich noch geisseln können, muss man
die nicht beneiden?
    Und überhaupt dieses Behagen, sich in Versen auszuschwemmen. Es ist ganz
sicher eine ejakulative Wollust.
    Und der Rhythmus ist das Leben,
    Und die Prosa ist der Tod...
    Hol sie der Teufel! Sie genieren mich. Sie erinnern mich an Zeiten, da ich
gerade so dumm und pueril war wie sie, und ich finde, es ist ungerecht, dass ich
leiden muss, weil ich klüger wurde...
    Also: Ich leide? Sehr schön gesagt. Ein dekoratives Wörtchen. Schon die
Stimmgabel zum lyrischen Gesang.
    Ich werde mir auch so eine dicke schwarze Halsbinde kaufen, die Einem so was
Biedermeierischhalbabgewürgtes gibt und zur lyrischen Livrée von heute gehört.«
»Im Grunde genommen, werter Herr, sind Sie den Idealen Ihrer Jugend ein wenig
untreu geworden. Fanden Sie nicht dermaleinsten, dass es die Gemeinheit der
Gemeinheiten sei, ein Dichter sein zu können und um der besseren Speise- und
Weinkarte willen ein Journalist zu werden?
    Ganz richtig. Nur erlaubt sich irgend wer die Frage: Kann ich denn ein
Dichter sein?
    Lächerlich! Höchst lächerlich! Sind Sie ein Lump, dass Sie sich verstellen?
Wissen Sie nicht ganz genau, dass Sie ein Dichter wären, wenn Sie nicht, leider,
es für bequemer hielten, ein Schubiak zu sein
