 uns einfach um die reichsten Quellen wahrer Poesie. Da haben
wir beispielsweise, so ganz allgemein und bloß als Gattungsbegriff, die Milch
der Greise - zunächst ein durchaus unbeanstandenswertes Wort. Aber alsbald (denn
unsre Sprache liebt solche Spiele) treten mannigfache Fort- und Weiterbildungen,
selbst Geschlechtsüberspringungen an uns heran, und ehe wir's uns versehen, hat
sich die Milch der Greise in eine Liebfrauenmilch verwandelt.«
    »Hihi... Ja, Liebfrauenmilch, die trinken wir auch. Aber nur selten. Und es
ist auch nicht der Name, woran ich eigentlich dachte.«
    »Sicherlich nicht, meine Gnädigste. Denn wir haben eben noch andre,
dezidiertere, denen gegenüber uns dann nur noch das Refugium der französischen
Aussprache bleibt.«
    »Hihi... Ja, französisch, da geht es. Aber doch auch nicht immer, und
jedesmal, wenn Rentmeister Fix unser Gast ist und die Triglaff die Flasche hin
und her dreht (und ich habe gesehen, dass sie sie dreimal herumdrehte), dann
lacht Fix... Übrigens sieht es so aus, als ob die Domina noch was auf dem Herzen
hätte; sie macht ein so feierliches Gesicht. Oder vielleicht will sie auch bloß
die Tafel aufheben.«
    Und wirklich, es war so, wie die Schmargendorf vermutete. »Meine Herren«,
sagte die Domina, »da Sie zu meinem Leidwesen so früh fortwollen (wir haben nur
noch wenig über eine Viertelstunde), so geb ich anheim, ob wir den Kaffee lieber
in meinem Zimmer nehmen wollen oder draußen unter dem Holunderbaum.«
    Eine Gesamtantwort wurde nicht laut, aber während man sich unmittelbar
danach erhob, küsste Czako der Schmargendorf die Hand und sagte mit einem
gewissen Empressement: »Unter dem Holunderbaum also.«
    Die Schmargendorf verstand nicht im entferntesten, auf was es sich bezog.
Aber das war Czako gleich. Ihm lag lediglich daran, sich ganz privatim, ganz für
sich selbst, die Schmargendorf auf einen kurzen, aber großen Augenblick als
»Kätchen« vorstellen zu können.
    Im übrigen zeigte sich's, dass nicht bloß Czako, sondern auch Rex und
Woldemar für den Holunderbaum waren, und so näherte man sich denn diesem.
    Es war derselbe Baum, den die Herren schon beim Einreiten in den Klosterhof
gesehen, aber in jenem Augenblick wenig beachtet hatten. Jetzt erst bemerkten
sie, was es mit ihm auf sich habe. Der Baum, der uralt sein mochte, stand
außerhalb des Gehöftes, war aber, ähnlich wie der Pflaumenbaum im Garten, mit
seinem Gezweig über das zerbröckelte Gemäuer fortgewachsen. Er war an und für
sich schon eine Pracht. Was ihm aber noch eine besondere Schönheit lieh, das
war, dass sein Laubendach
