 das letzte Mal hier war, war es ein Fräulein
von Schmargendorf. Und es ist leicht möglich, dass sie jetzt gerade wieder dran
ist.«
    »Eine nette Dame?«
    »O ja. Ein Pummel.«
Und wie vorgeschlagen, nach kurzem »Sichadjustieren« in der improvisierten
Fremdenstube kehrten alle drei Herren in Tante Adelheids Salon zurück, der
niedrig und verblakt und etwas altmodisch war. Die Möbel, lauter
Erbschaftsstücke, wirkten in dem niedrigen Raume beinahe grotesk, und die
schwere Tischdecke, mit einer mächtigen, ziemlich modernen Astrallampe darauf,
passte schlecht zu dem Zeisigbauer am Fenster und noch schlechter zu dem über
einem kleinen Klavier hängenden Schlachtenbilde: »König Wilhelm auf der Höhe von
Lipa«. Trotzdem hatte dies stillose Durcheinander etwas Anheimelndes. In dem
primitiven Kamin - nur eine Steinplatte mit Rauchfang - war ein Holzfeuer
angezündet; beide Fenster standen auf, waren aber durch schwere Gardinen so gut
wie wieder geschlossen, und aus dem etwas schief über dem Sofa hängenden
Quadratspiegel wuchsen drei Pfauenfedern heraus.
    Tante Adelheid hatte sich in Staat geworfen und ihre Karlsbader
Granatbrosche vorgesteckt, die der alte Dubslav wegen der sieben mittelgrossen
Steine, die einen größeren und buckelartig vorspringenden umstanden, die
»Sieben-Kurfürsten-Brosche« nannte. Der hohe hagere Hals ließ die Domina noch
größer und herrischer erscheinen, als sie war, und rechtfertigte durchaus die
brüderliche Malice: »Wickelkinder, wenn sie sie sehen, werden unruhig, und wenn
sie zärtlich wird, fangen sie an zu schreien.« Man sah ihr an, dass sie nur immer
vorübergehend in einer höheren Gesellschaftssphäre gelebt hatte, sich trotzdem
aber zeitlebens der angeborenen Zugehörigkeit zu eben diesen Kreisen bewusst
gewesen war. Dass man sie zur Domina gemacht hatte, war nur zu billigen. Sie
wusste zu rechnen und anzuordnen und war nicht bloß von sehr gutem natürlichen
Verstand, sondern unter Umständen auch voller Interesse für ganz bestimmte
Personen und Dinge. Was aber, trotz solcher Vorzüge, den Verkehr mit ihr so
schwer machte, das war die tiefe Prosa ihrer Natur, das märkisch Enge, das
Misstrauen gegen alles, was die Welt der Schönheit oder gar der Freiheit auch nur
streifte.
    Sie erhob sich, als die drei Herren eintraten, und war gegen Rex und Czako
aufs neue von verbindlichstem Entgegenkommen. »Ich muss Ihnen noch einmal
aussprechen, meine Herren, wie sehr ich bedaure, Sie nur so kurze Zeit unter
meinem Dache sehen zu dürfen.«
    »Du vergisst mich, liebe Tante«, sagte Woldemar. »Ich bleibe dir noch eine
gute Weile. Mein Zug geht, glaub ich, erst um neun. Und bis dahin erzähl ich dir
eine Welt und - beichte.«
    »Nein, nein, Woldemar, nicht das,
