 nicht von Ihrer
letzten; Sie werden immer eine neue finden -, sprach also von Ihrer Begeisterung
für den herrlichen Mann da weit unten am Tajo, von Ihrer Begeisterung für den
Joao de Deus. Und als er ausgesprochen hatte, da haben wir uns alle, die wir
zugegen waren, um den Un Santo geschart und einen geheimen Bund geschlossen.
Erst um den Un Santo und zum zweiten um Sie selbst. Und nun frag ich Sie, wollen
Sie mittun in diesem unserm Bunde, der ohne Sie gar nicht existierte? Mir ist
manches verquer gegangen. Aber ich bin, denk ich, dem Tage nahe, der mich ahnen
lässt, dass unsre Prüfungen auch unsre Segnungen sind und dass mir alles Leid nur
kam, um den Stab, der trägt und stützt, fester zu umklammern. Ich darf leider
nicht hinzusetzen, dass dieser Stab (möglich, dass er sich einst dazu auswächst)
das Kreuz sei. Meiner ganzen Natur nach bin ich ungläubig. Aber ich hoffe sagen
zu dürfen: ich bin wenigstens demütig.«
    »Wenigstens demütig«, wiederholte Lorenzen langsam, zugleich halb verlegen
vor sich hin blickend, und Melusine, die Zweifel, die sich in der Wiederholung
dieser Worte ziemlich deutlich aussprachen, mit scharfem Ohre heraushörend, fuhr
in plötzlich verändertem und beinah heiterem Tone fort: »Wie grausam Sie sind.
Aber Sie haben recht. Demütig. Und dass ich mich dessen auch noch berühme. Wer
ist demütig? Wir alle sind im letzten doch eigentlich das Gegenteil davon. Aber
das darf ich sagen, ich habe den Willen dazu.«
    »Und schon der gilt, Frau Gräfin. Nur freilich ist Demut nicht genug; sie
schafft nicht, sie fördert nicht nach außen, sie belebt kaum.«
    »Und ist doch mindestens der Anfang zum Bessern, weil sie mit dem Egoismus
aufräumt. Wer die Staffel hinauf will, muss eben von unten an dienen. Und soviel
bleibt, es birgt sich in ihr die Lösung jeder Frage, die jetzt die Welt bewegt.
Demütig sein heißt christlich sein, christlich in meinem, vielleicht darf ich
sagen in unsrem Sinne. Demut erschrickt vor dem zweierlei Maß. Wer demütig ist,
der ist duldsam, weil er weiß, wie sehr er selbst der Duldsamkeit bedarf; wer
demütig ist, der sieht die Scheidewände fallen und erblickt den Menschen im
Menschen.«
    »Ich kann Ihnen zustimmen«, lächelte Lorenzen. »Aber wenn ich, Frau Gräfin,
in Ihren Mienen richtig lese, so sind diese Bekenntnisse doch nur Einleitung zu
was andrem. Sie halten noch das Eigentliche zurück und verbinden mit Ihrer
Aussprache, so sonderbar es klingen mag, etwas Spezielles und beinah
Praktisches.«
    »Und ich freue mich,
