, was du dermaleinst vielleicht brauchen kannst, um uns unser
hiesiges Recht, wenn nicht vor der weiten Welt, so doch vor dir selber
angedeihen zu lassen. Denn sieh, eben weil ich nicht an das Glück meines Velten
im Sinne der Welt glaube, so möchte ich grade deshalb, als seine arme,
angstvolle Mutter, einen haben, der in der richtigen Weise, wenn keinem anderen,
so doch sich selber von uns mit vollem Verständnis erzählte und sich all unser
Schicksal zurechtlegte.«
Es ist kein größeres Wunder, als wenn der Mensch sich über sich selbst
verwundert.
    Wie habe ich dieses Manuskript begonnen, in der festen Meinung, von einer
Erinnerung zur andern, wie aus dem Terminkalender heraus, nüchtern, wahr und
ehrlich farblos es fortzusetzen und es zu einem mehr oder weniger
verständig-logischen Abschluss zu bringen! Und was ist nun daraus geworden, was
wird durch Tag und Nacht, wie ich die Feder von neuem wieder aufnehme, weiterhin
daraus werden? Wie hat dies alles mich aus mir selber herausgehoben, mich mit
sich fortgenommen und mich aus meinem Lebenskreise in die Welt des toten
Freundes hineingestellt, nein, - geworfen! Ich fühle seine feste Hand auf meiner
Schulter, und sein weltüberwindend Lachen klingt mir fortwährend im Ohr. Ach,
könnte ich das nur auch zu Papiere bringen, wie es sich gehörte; aber das vermag
ich eben nicht, und so wird mir die selbstauferlegte Last oft zu einer sehr
peinlichen, und alles, was ich über den Fall Velten Andres tatsächlich in den
Akten habe und durch Dokumente oder Zeugen beweisen kann, reicht nicht über die
Unzulänglichkeit weg, sowohl der Form wie auch der Farbe nach.
    Als ich als Assessor an unserem heimatlichen Stadtgericht ihn wieder in
Berlin aufsuchte, hatte er sein Lebensmärchen ferner wieder richtig wahr gemacht
und saß über den Geschäftsbüchern des Vaters des Beaux als der »merkwürdigste
Volontär, der mir jemals vor Augen und ins Kontor gekommen ist«, wie der alte
liebenswürdige Herr meinte.
    »Sie glauben es aber nicht, Herr Assessor«, fügte er hinzu, »wie mein Sohn
an ihm hängt, aber noch weniger, dass meine Tochter, meine Leonie, es gewesen
ist, die für alle meine Bedenklichkeiten das Gegenwort hatte und stets
behauptete: was der junge Herr vorhabe, sei keine Torheit, Schnurre und Grille,
sondern er wisse wohl, was er wolle, und sie würde an seiner Stelle ganz gewiss
ganz dasselbige wollen. Er will es nämlich versuchen, in den Vereinigten Staaten
sein Glück zu machen, und da hat er ja auch wohl recht. Mit unserm deutschen
Doktor der Philosophie würde es da drüben in dieser Hinsicht wohl etwas langsam
gehen. Dergleichen geistigen Überfluss schickt ihnen das alte Vaterland schon
