. Die Sache ist
erledigt. Sei immerhin artig und höflich gegen ihn. Man muss solche Leute nicht
gleich bei der ersten Gelegenheit die unausfüllbare Kluft empfinden lassen, die
zwischen uns und ihnen liegt.«
    »Ich werde gegen ihn so artig als möglich sein, schon dir zuliebe.«
    »Mir zuliebe?«
    »Tas hat mir gesagt, dass er der Lieblingsschüler jenes Professors wäre,
weißt du, jenes berühmten Mannes, für den du so riesig schwärmst.«
    »Werner?« Gundi Kleesberg, aus deren Hand die Puderquaste gefallen war,
wandte das Gesicht mit weit geöffneten Augen.
    »Das freut dich?« fragte Kitty, während sie lauschend zur Tür blickte.
    Draußen gingen Schritte vorüber, und man hörte die Stimme Tassilos, der
seinen Gast auf die merkwürdigsten der Geweihe aufmerksam machte, von denen die
Flurwände starrten. Drunten im reich geschmückten Vorhaus nannte Tassilo die
Heimat der exotischen Trophäen, an die sich manch ein waghalsiges, um Gesundheit
und Leben spielendes Abenteuer seines Vaters knüpfte.
    »Diese tausend Trophäen hat Ihr Vater selbst erbeutet?« fragte Forbeck
erstaunt. »Wie ist das möglich? Ihr Vater ist wohl nicht mehr jung, aber auch
ein hundertjähriges Leben kann doch neben Beruf und Arbeit nicht so viel Musse
bieten -«
    »Musse? Mein Vater kennt keine Musse in seinem Beruf. Seine Arbeit, sein
einziger Lebensberuf ist eben die Jagd. Er ist sechzig Jahre, mit fünfzehn
Jahren hat er angefangen. Da lässt sich was leisten.«
    Forbeck blickte auf, vom herben Klang dieser Worte betroffen. »Sie sind kein
Jäger?«
    »Nein! Ich hatte wohl Freude an der Jagd, aber ich hab' sie mir abgewöhnt.
Es ist nicht überall Sitte, so zu jagen, wie es mir Vergnügen macht. Anders
behagt es mir nicht. Wer nicht ein Handwerker der Jagd ist, wie der diensttuende
Jäger, der sollte an der Jagd doch besseren Wert entdecken als den Nervenreiz,
den der Kampf zwischen menschlicher List und tierischer Schlauheit gewährt. Für
meinen Geschmack liegt der edelste Reiz der Jagd in der innigen Berührung mit
der Natur, die sich auf einsamen Gängen vor uns öffnet wie ein mystisches Buch.
Da liest man Wunder über Wunder. Dieser Größe gegenüber lernt man erst sein
eigenes Menschenmass richtig einschätzen. Man fühlt sich immer kleiner und
kleiner. Diese Erkenntnis hat nichts Bedrückendes, nichts Demütigendes. Im
Gegenteil, man kommt zu Klarheit und Ruhe, wird allen spekulativen Unsinn los
und verwandelt sich selbst in ein Stücklein gesunder Natur. Man sagt sich: So
klein bist du, aber den Raum, den die Natur deinem Persönchen zugewiesen, musst
du ausfüllen, also nütze dein Leben und freue dich seiner!« Die Falte auf
Tassilos
