Ich glaube das ganz
aufrichtig. Aber schließlich ist das alles doch nur eine Komödie. Sie wussten
ganz gut, dass er Ihnen vor Hildegard den Vorzug gab, und Sie wussten nur zu gut,
dass Sie, je mehr Sie das arme Kind, die Hildegard, in den Vordergrund stellten,
desto gewisser - um nicht zu sagen desto leidenschaftlicher, denn er ist nicht
eigentlich der Mann der Leidenschaften -, desto gewisser, sag ich, würd er sich
auf Ihre Seite stellen und sich zu Ihnen bekennen.«
    »Ja, gnädigste Frau, das wußt ich oder wußt es doch beinah. Es war noch kein
Wort in diesem Sinne zwischen uns gesprochen worden, aber ich glaubte trotzdem,
und seit längerer Zeit schon, dass er glücklich sein würde, mich seine Braut zu
nennen.«
    »Und durch die klug und berechnend ausgesuchte Geschichte mit dem Hamburger
Hochzeitszuge haben Sie eine Erklärung herbeizuführen gewusst...«
    »Ja, meine gnädigste Frau, das hab ich, und ich meine, das alles war mein
gutes Recht. Und wenn Sie nun dagegen, und wie mir's scheint ganz ernstaft,
Ihren Protest erheben wollen, erschrecken Sie da nicht vor ihrer eignen
Forderung, vor der Zumutung, ich hätte mich jedes Einflusses auf Ihren Sohn
enthalten sollen? Ich bin keine Schönheit, habe nur eben das Durchschnittsmass.
Aber nehmen Sie, so schwer es Ihnen werden mag, für einen Augenblick einmal an,
ich wäre wirklich so was wie eine Schönheit, eine Beauté, der Ihr Herr Sohn
nicht hätte widerstehen können, würden Sie von mir verlangt haben, mir das
Gesicht mit Ätzlauge zu zerstören, bloß damit Ihr Sohn, mein Verlobter, nicht in
eine durch mich gestellte Schönheitsfalle fiele?«
    »Korinna«, lächelte der Alte, »nicht zu scharf. Die Rätin ist unter unserm
Dache.«
    »Sie würden das nicht von mir verlangt haben, so wenigstens nehme ich
vorläufig an, vielleicht in Überschätzung Ihrer freundlichen Gefühle für mich,
und doch verlangen Sie von mir, dass ich mich dessen begebe, was die Natur mir
gegeben hat. Ich habe meinen guten Verstand und bin offen und frei und übe damit
eine gewisse Wirkung auf die Männer aus, mitunter auch gerade auf solche, denen
das fehlt, was ich habe - soll ich mich dessen entkleiden? soll ich mein Pfund
vergraben? soll ich das bisschen Licht, das mir geworden, unter den Scheffel
stellen? Verlangen Sie, dass ich bei Begegnungen mit Ihrem Sohne wie eine Nonne
dasitze, bloß damit das Haus Treibel vor einer Verlobung mit mir bewahrt bleibe?
Erlauben Sie mir, gnädigste Frau, und Sie müssen meine Worte meinem erregten
Gefühle, das Sie herausgefordert, zugute halten, erlauben
