 die Gerste verhagelt.«
    »Ich glaube, Treibel«, sagte sie, während sie ihr Auf und Ab im Zimmer
fortsetzte, »du könntest dich mit deinen Vergleichen etwas höher
hinaufschrauben; verhagelte Gerste hat einen überaus ländlichen, um nicht zu
sagen bäuerlichen Beigeschmack. Ich sehe, das Teupitz-Zossensche trägt bereits
seine Früchte...«
    »Liebe Jenny, die Schuld liegt, glaube ich, weniger an mir als an dem
Sprach- und Bilderschatze deutscher Nation. Alle Wendungen, die wir als Ausdruck
für Verstimmungen und Betrübnisse haben, haben einen ausgesprochenen
Unterschichtscharakter, und ich finde da zunächst nur noch den Lohgerber, dem
die Felle weggeschwommen.«
    Er stockte, denn es traf ihn ein so böser Blick, dass er es doch für
angezeigt hielt, auf das Suchen nach weiteren Vergleichen zu verzichten. Auch
nahm Jenny selbst das Wort und sagte: »Deine Rücksichten gegen mich halten sich
immer auf derselben Höhe. Du siehst, dass ich eine Alteration gehabt habe, und
die Form, in die du deine Teilnahme kleidest, ist die geschmackloser Vergleiche.
Was meiner Erregung zugrunde liegt, scheint deine Neugier nicht sonderlich zu
wecken.«
    »Doch, doch, Jenny... Du darfst das nicht übelnehmen; du kennst mich und
weißt, wie das alles gemeint ist. Alteration! Das ist ein Wort, das ich nicht
gern höre. Gewiss wieder was mit Anna, Kündigung oder Liebesgeschichte. Wenn ich
nicht irre, stand sie...«
    »Nein, Treibel, das ist es nicht, Anna mag tun, was sie will, und
meinetwegen ihr Leben als Spreewälderin beschließen. Ihr Vater, der alte
Schulmeister, kann dann an seinem Enkel erziehen, was er an seiner Tochter
versäumt hat. Wenn mich Liebesgeschichten alterieren sollen, müssen sie von
anderer Seite kommen...«
    »Also doch Liebesgeschichten. Nun sage, wer?«
    »Leopold.«
    »Alle Wetter...« Und man konnte nicht heraushören, ob Treibel bei dieser
Namensnennung mehr in Schreck oder Freude geraten war. »Leopold? Ist es
möglich?«
    »Es ist mehr als möglich, es ist gewiss; denn vor einer Viertelstunde war er
selber hier, um mich diese Liebesgeschichte wissen zu lassen...«
    »Merkwürdiger Junge...«
    »Er hat sich mit Korinna verlobt.«
    Es war ganz unverkennbar, dass die Kommerzienrätin eine große Wirkung von
dieser Mitteilung erwartete, welche Wirkung aber durchaus ausblieb. Treibels
erstes Gefühl war das einer heiter angeflogenen Enttäuschung. Er hatte was von
kleiner Soubrette, vielleicht auch von »Jungfrau aus dem Volk« erwartet und
stand nun vor einer Ankündigung, die, nach seinen unbefangeneren Anschauungen,
alles andere
