 mit den nämlichen wunderlichen Zurufen wie damals. Die Köter beruhigen sich
langsam und widerwillig und behalten uns, leise fortknurrend, fest und
misstrauisch im Auge.
    »Der Vater ist nicht zu Hause«, sagte Valentine. »Und die Leute sind im
Felde«, fügt sie hinzu.
    »Schön!« sagt Stopfkuchen. »Da sind wir ja wieder einmal unter uns beiden,
Tinchen; denn dem da habe ich es eben schon klar genug auseinandergesetzt, dass
er sich gegenwärtig vollständig als Luft zu betrachten habe. Natürlich, wenn er
nicht mein bester Freund wäre, würde ich ihm meine Meinung in Hinsicht auf seine
heutige völlige Überflüssigkeit hier noch deutlicher zum Bewusstsein gebracht
haben. Aber er ist mein Freund und also auch, natürlich soweit das mir passt, der
deinige, Tinchen; und so dumm bist du nicht, Mädchen, dass du nicht Bescheid
wüsstest, dass er über euch, die Rote Schanze, so gut Bescheid weiß wie die übrige
edle, christliche Menschheit auf fünf Meilen im Umkreis. Herrgott, darum allein
könnte man schon mit Wonne Theologie studieren, um einmal so recht von der
Kanzel aus unter sie fahren zu dürfen, die edle Menschheit nämlich! Und nun
kommt endlich ins Haus. Die letzte Nase voll des übelen Geruches der Roten
Schanze zum Mitnehmen in die reinere, die bessere Luft da draußen, jenseits der
eben erwähnten fünf Meilen!«
    Zum »Sich äußern« - zum »Worte machen« - zum »Reden halten«, kurz zum
»Predigen« war er immer sofort da, der dicke Heinrich. Wenn es darauf angekommen
wäre, müsste er unbedingt heute, wenn nicht cismontaner Papst, so doch Kardinal
oder zum mindesten Archiepiscopus, aber wahrhaftig nicht der jetzige Bauer auf
der Roten Schanze sein.
    »Wo ist denn der alte Mann?« fragt er fürs erste noch.
    »Wieder vorm Gericht in der Stadt«, spricht grimmig die Tochter und Erbin
der Roten Schanze. »Er hat's ja wieder mit dem Schulzen von Maiholzen da gehabt
und ihm die Faust vors dumme Gesicht gehalten und ihn in der alten Sache wegen
Kienbaum von neuem einen Verleumder geheißen. Da ist er denn von neuem verklagt
worden.«
    Und Stopfkuchen zeigt, dass er ungemein melodisch zu flöten versteht. Er lässt
seine Gefühle in einer langgezogenen Kadenz verklingen und nimmt sie tätlich
wieder auf, indem er den Arm dem Mädchen um die Hüften legt und, zu mir gewandt,
sagt:
    »Schöner konnten wir's ja wieder mal nicht treffen.«
    Da aber begibt sich etwas, was vor allem diesen längst vergangenen Jugendtag
mir wieder in vollster Lebendigkeit vor die Seele stellt: Valentine Quakatz gibt
ihre Wacht am Eingangstor der Roten Schanze auf - vollständig!
