 eigene Land dabei gewinnen oder verlieren wird. Und
wie gesagt: wenn wir uns mit den Dänen raufen, so ist nichts zu verlieren dabei,
wohl aber unsere Machtstellung im deutschen Bund zu erweitern. Ich träume immer,
dass die Habsburger noch einmal die ihnen gebührende deutsche Kaiserwürde
zurückerlangen. Es wäre auch ganz in der Ordnung. Wir sind der bedeutendste
Staat im Bunde! die Hegemonie ist uns gesichert - aber das genügt nicht ... Ich
würde den Krieg mit Dänemark als eine sehr günstige Gelegenheit begrüßen, nicht
nur die Scharte von 59 auszuwetzen, sondern auch unsere Stellung im deutschen
Bunde so zu gestalten, dass wir für den Verlust der Lombardei reichen Ersatz
finden und - wer weiß - so an Macht gewinnen, dass uns die Rückeroberung dieser
Provinz ein leichtes wäre.«
    Ich blickte zu Friedrich hinüber. Er hatte sich an dem Gespräche nicht
beteiligt, sondern war in eine eifrige lachende Unterhaltung mit Lilli
verwickelt. Ein stechender Schmerz schnitt mir durch die Seele: ein Schmerz, der
in ein Bündel zwanzig verschiedene Vorstellungen vereinte: Krieg ... und er,
mein alles, musste mit ... verkrüppelt, erschossen ... das Kind unter meinem
Herzen, dessen angekündigtes Kommen er gestern mit solchem Jubel begrüßt - es
sollte vaterlos zur Erde kommen? ... Zerstört, zerstört - unser kaum erblühtes,
noch so reiche Frucht verheissendes Glück! ... Diese Gefahr in der einen
Wagschale, und in der anderen? Österreichisches Ansehen im deutschen Bund,
schleswig-holsteinische Befreiung - »frische Lorbeerblätter im Ruhmeskranze des
Heeres« - das heißt ein paar Phrasen für Schulvorträge und Armeeproklamationen
... und sogar das nur zweifelhaft, denn ebenso möglich wie der Sieg, ist ja die
Niederlage ... Und nicht nur einem vereinzelten Leid, dem meinen, wird das
vermeintliche vaterländische Wohl entgegengestellt, sondern tausend und
abertausend einzelne im eigenen und im Feindeslande müssten denselben Schmerz
einsetzen, der mich jetzt durchbebte ... Ach, war denn dem nicht vorzubeugen -
war's nicht abzuwehren? Wenn sich alle vereinten - alle Vernünftigen, Guten,
Gerechten - um das drohende Übel zu verhüten -
    »Sagen Sie mir doch,« wandte ich mich laut an den Minister, »stehen die
Dinge wirklich schon so schlimm? Habt Ihr, Minister und Diplomaten, habt Ihr
denn solche Konflikte nicht zu vermeiden gewusst, werdet Ihr deren Ausbruch nicht
zu verhindern wissen?«
    »Glauben Sie denn, Baronin, dass es unseres Amtes ist, den ewigen Frieden zu
erhalten? Das wäre allerdings eine schöne Mission - aber unausführbar Wir sind
nur da, über die Interessen unserer respektiven Staaten und Dynastien zu wachen,
jeder drohenden Verringerung ihrer Machtstellung entgegenzuarbeiten und jede
mögliche Suprematie zu erringen
